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Bundesrats-Prognose

Einblicke
Romano Cuonz Journalist und Publizist Sarnen
Romano CuonzJournalist und Publizist

Romano Cuonz
Journalist und Publizist

«Wer eine Gelegenheit nicht beim Schopf packt, dem weist sie den Hintern!», ruft Stammtischkollege Wisi aus. Um ehrlich zu sein: In Obwaldner Mundart hört sich das etwas weniger respektvoll an! Jedenfalls schaue ich ihn verdutzt an. «Ist doch wahr», wettert Wisi weiter, «da hätten wir Obwaldner eine weitere Chance auf einen Sitz im Bundesrat gehabt. Eine viel reellere als die Nidwaldner obendrein!» Dann, mit einem Tremolo in der Stimme: «Doch was tut unser ‹Erich›? Winkt einfach ab! So mir nichts, dir nichts.»

Nun ja: Bundesratswahlen geben allenthalben zu reden. Sogar an der Obwaldner Viehschau spricht mich eine Frau darauf an. Ob ich mich eigentlich noch erinnere, fragt sie, was ich dem kleinen Erich vor 40 Jahren gesagt hätte? Vergeblich bemühe ich mein Gedächtnis. Die Frau – eine ehemalige Schülerin von mir – grinst. «Erich», hätte ich, nach einem brillanten Vortrag in Staatskunde, zu ihm gesagt, «wenn du so weiter machst, wirst du gewiss einmal Bundesrat!»

Nach und nach kehren Erinnerungen zurück: Ich war damals ein junger, recht selbstbewusster Lehrer. Eine Tatsache jedoch hielt ich mir stets vor Augen: dass Lehrer immer auch Kinder vor sich haben, die ihnen in diesem oder jenem Bereich überlegen sind. Selbst wenn sie es noch nicht so recht zeigen dürfen!

Erich Ettlin war so einer. Fast ein bisschen neidisch konstatierte ich, welch aussergewöhnliche Sozialkompetenz dieser Bub aus einer Grossfamilie besass. Selbst wenn er Dinge besser, klarer, ja ganz genau wusste, hielt er sich oft zurück. Nur um auch andere zu Wort kommen zu lassen. Wohl deshalb verstieg ich mich – wenn auch scherzhaft – zu einer Bundesrats-Prognose.

Klüger wird man erst, wenn man mehr versteht, als man weiss. Jetzt – nach der unerwarteten Absage des aussichtsreichen Kandidaten – dämmert mir, warum meine damalige Prognose durchaus richtig, aber halt doch wieder falsch gewesen ist. Richtig, weil, wer immer in der CVP die Ausnahmepolitikerin Doris Leuthard beerben möchte, über aussergewöhnliche fachliche, kommunikative und sprachliche Fähigkeiten verfügen müsste. Die besässe Erich Ettlin. Falsch, weil ich doch hätte wissen müssen, dass sich einer mit seiner Sozialkompetenz niemals vordrängen wird. Dass er anderen – selbst wenn deren Ehrgeiz grösser als ihre Brillanz sein sollte – den Vorrang lässt. Leider.

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