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C’est ridicule

Chefredaktor Jérôme Martinu zur Forderung, dass künftig auf Primarstufe nur noch eine Fremdsprache unterrichtet werden soll.
Jérôme Martinu, Chefredaktor
Jérôme Martinu

Jérôme Martinu

«Englisch abschaffen? Nein zur Fremdsprachen-Initiative.» Markig läuft im Kanton Luzern der Abstimmungskampf an. Gefordert wird, dass auf Primarstufe künftig nur noch eine Fremdsprache unterrichtet werden soll, Französisch oder Englisch. Von einer Abschaffung der Weltsprache in der obligatorischen Schulzeit, wie das Gegen­komitee suggeriert, kann keine Rede sein. Angesichts der teils erschreckend schwachen Französischkompetenzen am Ende der Volksschule ist eine unpolemische Debatte auf jeden Fall notwendig. Luzern ist hier nicht allein, ähnliche Initiativen gab’s auch in Nidwalden, Zürich und im Thurgau. Sie wurden aber alle abgelehnt. In Zug läuft die politische Diskussion nach wie vor.

Nachdem Bundesrat Alain Berset ausscherenden Kantonen angedroht hatte, sie falls nötig zum Primar-Französisch zu zwingen, hängt man – auch die Luzerner Regierung – das Argument des nationalen Zusammenhalts hoch hinaus. C’est un peu ridicule. Das wirkt wenig glaubwürdig, ja gar ein bisschen lächerlich. Es geht eben keineswegs um die Abschaffung des Französisch in der Volksschule. Und vor allem: Fremdsprachenunterricht in der Primarschule ist in Luzern 2007 flächendeckend eingeführt worden, erst 2011 ist die Einführung der zweiten Fremdsprache in der Unterstufe abgeschlossen worden. Ziemlich jung also, der nationale Zusammenhalt unseres 1848 gegründeten Bundesstaates. Es ist übrigens auch nicht so, dass die Kantone ausnahmslos nach Schema F verfahren: In Appenzell Innerhoden und in Uri gibt’s «Franz» erst ab der Oberstufe.

Darüber hinaus scheint es, als würden Bundes- und Kantonsbehörden derzeit besonders kräftig am nationalen Zusammenhalt werken. Seit einiger Zeit ist dort kategorisch nicht mehr von unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden (UMA) die Rede, sondern von «mineurs non accompagnés» (MNA). Ein Schelm, wer vermutet, dass damit der politisch aufgeladene Begriff «Asylsuchende» französisch umschifft wird.

Jérôme Martinu, Chefredaktor

jerome.martinu@luzernerzeitung.ch

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