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Kolumne

Das F-Wort oder: kein Sternenhimmel

Festivals sind romantisch und stiften ein schönes Gemeinschaftsgefühl? Das war einmal.
Céline Graf
Auch auf dem Camping des Technologiefestivals Campus Party ruft die Community. (Bild: Andre Penner/Keystone, São Paulo, 12. Februar 2019)

Auch auf dem Camping des Technologiefestivals Campus Party ruft die Community. (Bild: Andre Penner/Keystone, São Paulo, 12. Februar 2019)

Diese junge Frau am Smartphone ist Teilnehmerin eines Festivals. Sie sehen das deutlich an den Zelten. Die Campus Party, ein Technologiefestival in der brasilianischen Metropole Sao Paulo, begeistert jährlich für 24 Stunden Freunde des Programmierens und Gamens. Sie sehen das deutlich am Lächeln der jungen Frau.

Ein Festival ist eine grossartige Idee. In einer begrenzten Zeit, meistens ein Wochenende oder auch eine Woche lang, frönt eine Menge ähnlich Interessierter ihrer Freizeitbeschäftigung. Die wahrscheinlich älteste Form ist das Musikfestival. Wie im Fall von Woodstock vermag ein Festival gar, Generationen und Geschichte zu prägen.

Festivals ermöglichen uns Individualistinnen und Individualisten ein kollektives Erlebnis. Mein Bauch kribbelt jedes Mal wieder, wenn ich auf Youtube das Video des unvergesslichen Konzerts von Travis am Gurtenfestival 2009 gucke. Die charmanten Schotten brachten es fertig, an einem Nachmittag den ganzen Hügel vor der Hauptbühne mit einer melancholischen Ballade zum Hüpfen zu bringen (Stichwort «Pogo» für allfällige Suchende).

Gleichzeitig aber beschleicht mich der Verdacht, dass die fetten Jahre des Festivals vorbei sind. Ein Quartierfest mit gemischtem Buffet und der Lo-und-Leduc-Coverband von Balsigers Jüngsten? Nennen wir es Festival, das zieht mehr Leute an. Sobald das F-Wort draufsteht, hüllt sich um den Anlass eine Aura der Aufregung, Romantik und Exklusivität. In der schnöden Realität vor Ort ist der Sternenhimmel dann genauso unter Wolken versteckt wie zu Hause auf dem Balkon, nur dass sich alle auf die Füsse treten, die auch etwas erleben wollten.

«Ich war an einem Street-Food-Festival» klingt halt einfach mondäner als «ich habe viel zu viel Geld ausgegeben für drei winzige Portionen von exotischen Gerichten, die ich dank Ottolenghi auch schon besser zu Hause gekocht habe, während ich mich mit anderen Besuchern, die vor Hunger in der Warteschlange ebenfalls passiv-aggressiv wurden, gezofft habe, um auf dem Heimweg mit knurrendem Magen beim Kebabladen meines Vertrauens den Abend doch noch halbwegs zu geniessen».

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