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«Die Hard»: die Kakerlake

Einblicke
Anemi Wick

Ich stehe in Kampfstellung in meinem Zimmer, ein paar Shorts in der Hand, und der Schweiss rinnt mir übers ­Gesicht. Es ist 1 Uhr nachts, 29 Grad warm in Hanoi, und ich jage eine Kakerlake.

Hier in Vietnam sind diese Viecher überall, und sie können fliegen. Die in meinem Zimmer ist gerade im Tiefflug über mein Schreibpult gebrummt und dann dahinter am Vorhang gelandet. Ich habe ausgeholt und mit meinen Shorts unkoordiniert die Kaffeetasse vom Pult gefegt.

Unter Hanoier Expats hält sich hartnäckig das Gerücht, dass man Kakerlaken nicht zerquetschen sollte, weil sie dann vor dem Sterben Dutzende von Eiern legen. Das ist fertiger Blödsinn, ich hatte das mal gegoogelt. Und wie das so ist beim Googeln, man kommt vom Hundertsten ins Tausendste.

Kakerlaken, so hatte ich in den Untiefen des Internets entnommen, existieren schon seit etwa 300 Millionen Jahren. Schon die Höhlenmenschen hatten wohl mit ihren Lendenschurzen bis zur Verzweiflung nach ihnen geklatscht.

Kakerlaken haben 2000 Au­genlinsen und eine 360 Grad Rundumsicht, weshalb es sinnlos ist, sich ihnen von hinten anschleichen zu wollen. Des Weiteren sind sie äusserst quetschbare «Die Hards», die das bis zu 900-Fache ihres Körpergewichts aushalten können.

Die Kakerlake rennt im Zickzack über mein Pult, mit diesem haarsträubenden «tsgg-tsgg-tsgg-tsgg»-Geräusch. Ich schmettere die Shorts nach ihr und mache dazu überdramatische Bruce-Lee-Geräusche. Die Kakerlake trippelt senkrecht das Tischbein hinab.

Ich hatte an der Stelle aufgehört zu lesen, an der stand, dass Kakerlaken bis zu einer Woche ohne Kopf weiterleben können. Ich bezweifle, dass man auf Partys mit solchem Wissen punkten kann.

Es heisst ja, dass man seinen Feind kennen muss, um ihn besiegen zu können. Ich finde aber, dass dieser Schuss auch nach hinten losgehen kann – je mehr man über jemanden weiss, desto sympathischer kann einem dieser werden.

Die Kakerlake sitzt auf dem Boden und wackelt herzig mit den Fühlerchen. Da fällt mir wieder Bruce Lee ein, der einmal gesagt hatte, man sollte nicht zu lange nachdenken. Ich schwinge meine Killershorts und schlage zu.

Anemi Wick ist Luzerner Journalistin in Hanoi.

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