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Kolumne

Die Unschuld des blinkenden Cursors

Sven Gallinelli über trügerische Computer-Nostalgie und die dunklen Seiten der Digitalisierung.
Sven Gallinelli
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Sven Gallinelli

Kürzlich sind wir in kleiner Runde nostalgisch geworden und haben von alten Zeiten geschwärmt – konkret ging es um Computer. Ich selber gehöre zur Generation, die Computer noch vor dem Internet- und Windows-Zeitalter erleben durfte. Wenn damals das Gerät eingeschaltet wurde, hatte man wenig später einen blinkenden Cursor vor sich, der auf Befehle wartete, die manuell eingetippt werden mussten (das damalige Betriebssystem «MS Dos» dürfte vielleicht noch einigen in zwiespältiger Erinnerung sein).

Kein Geheimnis ist, wozu wir den Computer schon damals benutzt haben: natürlich primär zum Spielen. Die Games haben wir uns selten legal besorgt, sondern raubkopiert; die 3,5-Zoll-Diskette war die grosse Währung auf dem Pausenplatz. Wir fühlten uns als Computer-Pioniere; wir waren eine regelrechte Computer-Gang. Und das zu Zeiten, in denen der PC in vielen Haushalten noch nicht zum Inventar gehörte und kaum für unter 3500 Franken zu haben war.

Dass ich das analoge Zeitalter erleben durfte, erachte ich als Privileg – ich habe das Wählscheibentelefon (in Orange) noch aus eigener Erfahrung gekannt; meine ersten Schreibversuche fanden auf einer manuellen Schreibmaschine statt; im Supermarkt gab es noch Registrierkassen, und Fotos wurden noch fein säuberlich in Fotoalben geklebt.

Als Freaks der ersten Stunde hatten wir auch ziemliche Narrenfreiheit; die Eltern mussten uns nicht gross auf die Finger schauen, da ja von nirgends Gefahr drohte. Heute bin ich selber Vater einer kleinen Tochter; wenn ich ihr eine Schreibmaschine zeige oder ein Wählscheibentelefon, schaut sie mich doch recht verwundert an. Als Vater wird mir aber umso bewusster, dass die Digitalisierung – nebst all dem Segensreichen, das sie uns bringt – ihre Unschuld längst verloren hat. Denn heute muss man ja unablässig vor drohendem Unheil warnen: Daten-­Kraken, Internet-Trolle, Cyber-Mobbing, ausgelebter Hass – nebst den vielen tollen Dingen, die man online tun kann, lauert der Abgrund immer nur einen Klick entfernt.

Es ist wohl eine menschliche Eigenart, dass Innovationen, welche unsere Gesellschaft voranbringen, immer auch eine dunkle Seite bergen. Die Privilegien des modernen Lebens muss man sich offensichtlich teuer erkaufen. Da kann man sich dann natürlich schnell einreden, dass früher alles etwas entspannter und lockerer war. Auch wenn dabei eine gehörige Portion jugendlich-nostalgischer Verblendung mitschwingen mag.

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