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Kolumne

Digital ist nur manchmal besser

Briefe schicken, einkaufen – das Leben verlagert sich ins Netz. Das führt aber auch zu kuriosen Situationen.
Céline Graf
Im deutschen Spreewald kommt die Post zwischen April und Oktober per Boot. (Bild: Patrick Pleul/DPA, 4. April 2019)

Im deutschen Spreewald kommt die Post zwischen April und Oktober per Boot. (Bild: Patrick Pleul/DPA, 4. April 2019)

Dieses Bild könnte fast vom Beginn des letzten Jahrhunderts stammen. Wären da nicht die stechenden Farben und das schnittige Boot der Botin. Im Spreewald paddeln die Angestellten der Deutschen Post zwischen April und Oktober durch ein verästeltes Flussnetz von Haus zu Haus.

Weit weg scheinen hier Drohnen und andere technische Fortschritte des Postwesens. Doch trotz der Idylle ist klar: Die Digitalisierung hat ihre Vorteile. Das Überbringen von Nachrichten und Waren war für uns Bestellende, Kommunizierende und Sendende noch nie so unkompliziert.

Wir schreiben eine E-Mail, statt auf die nächste Postkutsche zu warten. Wir lassen uns Klamotten heimliefern, statt uns in den immer leereren Läden vor allzu hilfsbereitem Verkaufspersonal zu verstecken.

Also: «Digital ist besser», wie Tocotronic 1995 sangen. Oder doch nicht in jedem Fall? So lautet eine Strophe des Lieds: «Manchmal denk ich / wie es wäre / wenn es nicht so wär / Ich wär wohl anders und / vielleicht wär ich auch glücklicher».

Offline besser sind zum Beispiel Flohmärkte. Dort gemütlich und ziellos herumschlendern geht nur in echt. Flohmärkte sind auch eine gute Beschäftigung auf Reisen. Das Wühlen in alten Sachen schafft Kontakt zu Einheimischen und der Geschichte des Ortes.

Meine Erfahrungen mit Onlineflohmärkten sind eher durchzogen. Neulich etwa interessierte ich mich für Schuhe auf der Plattform Tutti. Um nichts zu riskieren, ging ich sie zuerst bei der Verkäuferin anprobieren. Leider wohnte diese nicht um die Ecke, und die Schuhe waren zu gross.

Andererseits wäre ich ohne Internet auch nie in folgende filmreife Lage geraten. Ich hatte für eine Ausstellung ein Pokerset erworben. Am Bahnhof Olten war die Übergabe. Der Verkäufer (Anzug, Sonnenbrille) öffnete den Kofferraum seines Autos. Ich begutachtete die Ware (ein silberner Schalenkoffer), nickte und zahlte bar. Fehlte nur noch ein Räuber, der mich auf dem Rückweg überfallen hätte. Zum Glück fuhr ich dann Zug statt Postkutsche.

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