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Kolumne

Ein solches Kleid brauche ich nicht

An der Haute Couture in Paris sorgen einige Kleider für Aufsehen.
Regina Grüter
Haute Couture aus dem Modehaus Viktor & Rolf, präsentiert in Paris. Bild: Thibault Camus/Keystone (23. Januar 2019)

Haute Couture aus dem Modehaus Viktor & Rolf, präsentiert in Paris. Bild: Thibault Camus/Keystone (23. Januar 2019)

«I’m not shy, I just don’t like you.» Mit einem solchen Kleid hält man garantiert allen unliebsamen Annäherungsversuchen Stand. Und wenn einem dann doch einer gefällt, kann man das Ding ja ausziehen. Obwohl ich mich eher als schüchternen Menschen bezeichnen würde, fiel es mir nie besonders schwer, Leute, die mir nicht passen, auf Abstand zu halten. Ein solches Kleid hätte ich nie und nimmer gebraucht. Im Trio zogen wir in schöner Regelmässigkeit durch die Bars, meine beiden besten Freundinnen und ich. Während sich die zwei einen Spass daraus machten, mit diesem und jenem zu quatschen – nicht selten mit dem Hintergedanken, sich ein Bier spendieren zu lassen –, habe ich schnell einmal die Augen verdreht. Macker, «Plöffer», Schönling, habe ich gedacht. Manchmal sehr zu Unrecht, muss ich heute sagen. Zu ernsthaft war ich. Zu arrogant? Teilweise hat es sich dann schon gelohnt, etwas tiefer zu graben. Ich bin einfach kein Fan von Small Talk. Aber von jeder x-beliebigen Bar-Bekanntschaft zu erwarten, umgehend in ein tiefsinniges Gespräch verwickelt zu werden, dieser Anspruch war einfach zu hoch. So sind denn halt häufig die «schwierigen» Fälle an mir hängen geblieben. Die netten Kerle mit schwerem Rucksack, die jemandem ihr Herz ausschütten wollten. Sie haben mir einfach leidgetan. Ein leichtes Spiel bei allen dreien hatten immer die richtig lustigen Typen. Häufig waren es ja gerade die, die schon vergeben waren. Die waren einfach lockerer drauf und mussten weder sich noch uns etwas beweisen. Heute sind wir alle drei in festen Händen und Mütter von insgesamt sieben Kindern. Und wenn wir, viel zu selten, gemeinsam und die Häuser ziehen, bin sogar ich locker drauf. Gelassener, zufriedener, ausgeglichener. Irgendwie bin ich offener geworden den Menschen gegenüber, nicht mehr so streng, auch mir selber gegenüber nicht. Ich kann einen dummen Spruch mehr goutieren und drehe dem Urheber nicht gleich einen Strick draus. Dass ich jemanden nicht mag, kommt auch mal vor und kann durchaus auf Gegenseitigkeit beruhen. Aber um zu sagen, «I just don’t like you», brauche ich kein fettes Monsterkleid.

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