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Kolumne

Mein Bild: Das weinende Auge von Zug oder die Träne im Kreisverkehr

Aus der Luft betrachtet, sieht das Verkehrsaufkommen in einem Kreisverkehr an der Nordstrasse in Zug schmuck aus. Unser Autor erlebte andernorts im Auto traurigere Szenen.
Roger Rüegger
Der Kreisverkehr an der Nordstrasse ist nicht auf den ersten Blick als solcher erkennbar. (Bild: Daniel Hegglin (Zug, 6. Februar 2019))

Der Kreisverkehr an der Nordstrasse ist nicht auf den ersten Blick als solcher erkennbar. (Bild: Daniel Hegglin (Zug, 6. Februar 2019))

Ganz überzeugen mich die Lichtspuren in diesem Kreisverkehr nicht. Die meisten Verkehrsteilnehmer fahren hier wenig vorbildlich eine Kampflinie. Sehr überzeugend hingegen ist das Bild unseres Lesers Daniel Hegglin aus Zug, das er in seinem Wohnort aufgenommen hat. Es hat nicht nur Klasse, sondern lässt auch Spielraum für Spekulationen, was er genau festgehalten hat.

Es ist nicht auf Anhieb ersichtlich. Beispiel: Eine Kollegin in der Redaktion sagte: «Das sieht aus wie eine Swatch!» Habe ich am Anfang nicht so gesehen, aber nachdem sie’s erwähnte; doch das kommt durchaus hin. Mit etwas Fantasie könnte es sich tatsächlich um eine etwas modernere Armbanduhr handeln. Das Zifferblatt müsste man sich halt noch dazudenken. Persönlich erinnert mich das Bild an einen «Fidget Spinner». Dieses Spielzeug, welches in Jahr 2017 einen kurzfristigen Hype bei Kindern auslöste, hat in meinen Augen frappante Ähnlichkeit mit dem abgebildeten Sujet. Der weisse Teil ähnelt der Fläche, die man mit zwei Fingern festhält. Man nennt das Gerät in der Deutschen Sprache nicht umsonst Handkreisel. Bevor ich abdrifte, zurück zum Thema.

In der Schweiz wurde 1977 der erste Kreisverkehr gebaut.

Inzwischen werden sie mancherorts fast inflationär aus dem Boden gestampft. Einige ergeben noch weniger Sinn, als es der abgebildete hier im Moment tut. Ein Ort im Wiggertal ist auf bestem Weg, die olympischen Ringe auf dem Strassennetz zu bauen. Das merkt erst jemand, wenn Daniel Hegglin eine Luftaufnahme von der Gemeinde gemacht hat.

Das üble dabei ist nicht die Verkehrsplanung, sondern dass sich Leute auf der Strasse geistig im Kreis bewegen und wenn sie in einen Kreisel einbiegen, von allen guten Geistern verlassen werden. So der Rollerfahrer, der mich im Stadtluzerner Kreisel an der Friedentalstrasse rechts überholte und dann scharf vor meinem Auto links einbog. Meine Vollbremsung checkte er nicht. Hätte ich nicht reagiert, würde er gar nie mehr etwas checken. Eine andere Kollegin meinte mit Blick aufs Bild: «Ich sehe ein weinendes Auge.» Wenn sie meint, der Rollerfahrer sei eine Träne, sehe ich das auch so.

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