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Frauen*förderung? Ein Text zum völlig übertriebenen Gender-Hype

Peter V. Kunz, Ordinarius für Wirtschaftsrecht, schreibt in seiner Kolumne über die Diskussion um Frauendiskriminierungen und Männerverschwörungen.
Peter V. Kunz

Vorsicht: Leser(innen)warnung! Diese Kolumne wurde von einem 54-Jährigen verfasst, der nicht wirklich viel hält vom aktuellen Zeitgeistthema der politischen Korrektheit, somit ein prototypischer Vertreter der «weissen alten Männer» ist.

Da es um das politisch aufgeladene Thema der sogenannten Frauen*förderung (sensibel, aber sprachidiotisch mit Gendersternchen*) geht, könnten Sie* sich durchaus über mich aufregen. Das heisst: Sie lesen die folgenden Zeilen auf eigenes Risiko und könnten damit Ihre Gesundheit gefährden.

Brauchen Frauen wirklich Frauen*förderung durch den Staat? (Bild: Shutterstock/Pixabay)

Brauchen Frauen wirklich Frauen*förderung durch den Staat? (Bild: Shutterstock/Pixabay)

Eine wohl hohe Dunkelzahl von Männern dürfte – wenn unbeobachtet – die Augen rollen bei Schlagworten (oder Kampfworten) wie «Frauendiskriminierung», «Frauengerechtigkeit», «Frauensolidarität», «Frauen*förderung» oder nunmehr «Frauen*streik».

Männer oder Frauen, die sich nicht ins gesellschaftliche Abseits manövrieren möchten, könnten dazu kaum sagen: «Blödsinn» – man (und erst recht: mann) ist ja nicht «Anti-Gender». Doch nicht wenige Männer, mindestens in meinem Umfeld, empfinden es als zunehmend irritierend, das Gefühl vermittelt zu erhalten, sich fast schon entschuldigen zu müssen, dass sie Männer sind.

Frauen seien in der Politik benachteiligt, heisst es – stimmt das wirklich? Beispielsweise sind im Regierungsrat des Kantons Thurgau drei von fünf Mitgliedern weiblich (60 Prozent). Wie schaut es bei den drei Grosskantonen mit deren Frauenvertretungen aus? Kanton Bern: 43 Prozent (drei von sieben), Kanton Zürich: 57 Prozent (vier von sieben) und Kanton Waadt: 71 Prozent (fünf von sieben); am letzten Wochenende wurden im Kanton Zürich immerhin 41 Prozent Frauen in den Kantonsrat gewählt.

Bei sieben Bundesräten sind heute drei Frauen im Amt, vor knapp einem Jahrzehnt gab es gar eine Bundesrätinnenmehrheit: Die Schweiz wurde deshalb nicht besser regiert, allerdings auch nicht schlechter. Entscheidend ist, dass sich Frauen überhaupt für politische Karrieren zur Verfügung stellen.

Frauen seien in der Wissenschaft benachteiligt, heisst es – stimmt das wirklich? Meine Fakultät in Bern hat den höchsten Anteil an Professorinnen aller juristischen Fakultäten in der Schweiz: mehr als ein Drittel (seit Kurzem haben wir das erste Job-Sharing einer Professur an der Universität Bern: zwei Professorinnen).

An meinem Institut machen die Frauen zwei Drittel aller wissenschaftlichen Assistenten und Doktoranden aus: Doch wir fördern keine Frauen, sondern nehmen schlicht die Besten, unbesehen des Geschlechts – so sollte es eigentlich sein. Entscheidend ist, dass sich Frauen überhaupt um eine akademische Karriere bemühen. Immerhin stellen Frauen aktuell mehr als einen Drittel aller Habilitanden in der Schweiz dar.

Ohne Zweifel bestehen nach wie vor Lebensbereiche, nicht zuletzt im Privaten, bei denen Frauen benachteiligt sind, indes erscheint der Gender-Hype völlig übertrieben. Frauen benachteiligende «Männerverschwörungen» oder «Männerseilschaften» – früher bei Offiziersschulen und Rotaryclubs vermutet – gehören seit Jahrzehnten ins Reich der Legenden. Frauen*förderung sollte zudem nicht diskriminierend sein: Es geht um den Minderheitenschutz der Männer. Es gilt vielmehr, die Besten* zu fördern, ob weiblich oder männlich oder divers!

Brauchen Frauen wirklich Frauen*förderung durch den Staat? Es gibt sicherlich nicht «die Frauen», persönliche Ambitionen sind bei Frauen so unterschiedlich wie bei Männern; dass ehemals hochgehaltene Tätigkeiten wie «Hausfrau», «Mutter» oder «Ehefrau» heutzutage gesellschaftlich fast verpönt sind und in der Politik sowie in den Medien im besten Fall milde belächelt werden, sollte uns allerdings ernsthaft zu denken geben. Ich bin nach wie vor überzeugt, in der Schweiz gilt das Motto: Wer* will (und sich* voll einsetzt), der kann!

Bekanntlich ist das Gegenteil von gut: gut gemeint. Hoheitliche Frauen*förderung erweist sich als gut gemeint, stellt jedoch im Wesentlichen eine paternalistische Bevormundung der Gesellschaft – und nicht zuletzt der Frauen – dar; als Beispiel können die gut gemeinten «Geschlechterquoten» bei der Aktienrechtsrevision erwähnt werden. Frauen, die im Beruf oder in der Politik «etwas erreichen» wollen, können dies heutzutage ohne Weiteres, bei Volleinsatz. Es liegt an der Gesellschaft, allenfalls Änderungen zu bewirken – sicherlich nicht am Staat.

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