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Frauenfreundliche Strassennamen reichen nicht

Geschlechtergerechtes Benennen von Adressen ist die neueste Idee für Gleichstellung. Doch unserem Autor geht das nicht weit genug.
Lucien Rahm

Das Frauenstreik-Komitee des Kantons Schwyz hat diese Woche dazu aufgerufen, männliche Strassennamen in weibliche umzutaufen. In diversen Orten des Kantons seien entsprechende Aktionen geplant. Beispielsweise soll dabei aus der Herrengasse im Hauptort die Frauengasse werden.

Die Diskussion um geschlechtergerechte Alltagssprache erreicht damit eine Ebene, die zu betreten überfällig war. Enden darf sie hier aber nicht. Denn einen anderen Bereich teils immens männerdominierter Sprache gilt es ebenfalls noch in Angriff zu nehmen: Ortsnamen.

Mag es hierbei hinsichtlich Geschlechtsgleichheit auch viele unproblematische Beispiele geben: Gewisse Ortschaften tragen Bezeichnungen, welche Feministinnen im Minimum die Stirn runzeln lassen müssen. Solche Orte finden sich auch in unserer Region. Gleich zweimal hat man sich in der Zentralschweiz beispielsweise dazu entschieden, ein Dorf Hergiswil zu nennen – und nicht etwa Fraugiswil. Diese männliche Dominanz wäre dringend zu korrigieren, um auch weiblichen Bewohnern der beiden Hergiswil ein Gefühl der Zugehörigkeit zu ermöglichen.

Das wäre im Stile jener Obwaldner möglich, die ihr Dorf auf vorbildliche Weise ganz geschlechtsneutral einfach Giswil getauft haben – ohne vorangehendes «Her(r)» oder «Frau». Der geschlechtlichen Ausgeglichenheit zuliebe sollte es in der Innerschweiz also bald drei Giswil geben.

Ein Ärgernis dürfte vielen auch die Hinterländergemeinde Willisau sein. Zwar scheint hier auf den ersten Blick geschlechtliches Gleichgewicht zu herrschen, ist der Willi doch männlich, die Sau weiblich. Problematisch jedoch: Wird der Vorname Willi höchstens individuell mit negativen Eigenschaften assoziiert, gilt die Sau gemeinhin als jemand, der «schmutzig und ungepflegt ist, der keinen Wert auf Sauberkeit legt», wie das Wörterbuch Duden festhält. Auch im Falle Willisaus wäre also eine Umbenennung angezeigt. Denkbar wären die Varianten «Willi/ette-Sau» – um das weibliche Geschlecht im wertneutralen Namensteil aufzunehmen – oder auch «Willikatze» – damit der feminine Abschnitt zumindest mit vorwiegend positiven Eigenschaften in Verbindung gebracht wird. Katzen mögen schliesslich fast alle.

Namenswechsel müssten überdies mindestens Wolfenschiessen (neu: Wolfen- und Wölfinnenschiessen), Zug (Zug und Zügin) und Emmen (Em-people) in Betracht ziehen.

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