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Geliebt und vergessen

Im Winter gehen die doch so heiss geliebten Pflanzen oft vergessen. Ein Oleander verträgt das nur schlecht.
Katja Fischer De Santi

Ich fürchte, er hat mich nicht überlebt. Nicht, dass ich ihn nicht gesehen hätte, schemenhaft im Dunkeln, morgens und abends, wenn ich durch die Garage ins Haus gegangen bin. Aber richtig angeschaut habe ich ihn vier Monate lang nie. Sonst wären mir seine dürren Blätter aufgefallen, die staubige Topferde, die klebrigen Spinnennetze, die sich in seinen Ästen verfangen hatten. Wie zum Hohn stand da den ganzen Winter über eine grüne Giesskanne neben ihm – nur benutzt hat sie nie jemand. Und so ist er in seinem Winterquartier leidlich verdorrt. Mein schöner, stolzer Oleander.

Wahrlich zum Heulen

Mindestens 20 Jahre alt, zwei Meter hoher buschiger Wuchs, üppige pinke Blüten. Eine Augenweide. Mir war zum Heulen, als ich das Ausmass der Dürre realisierte. Übertriebenes Spontangiessen brachte nichts mehr, heftiges Fluchen blieb ebenfalls wirkungslos. Es helfe, so erfuhr ich, nur ein radikaler Rückschnitt. Alle Äste und Triebe tief runter kürzen und dann hoffen, der gute Oleander möge seine letzten Säfte mobilisieren und neu austreiben. Ich tat es, und mir blutete dabei das Herz. Seither ragen fünf traurige Holzstümpfe aus dem riesigen Topf, seither ist es kalt und garstig und von Frühling keine Spur. Was wohl gerade ganz gut zum Gemüt meines Oleanders passt.

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