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Gestopftes Eigenlob

Chefredaktor Jérôme Martinu über «Gänselebergraben» und «Froschschenkelschere».
Jérôme Martinu, Chefredaktor
Jérôme Martinu

Jérôme Martinu

«Gänselebergraben» oder «Froschschenkelschere»: Darüber ist diese Woche unter der Berner Bundeshauskuppel diskutiert worden. Anlass zur Kontroverse über eine Kluft zwischen Deutsch- und Westschweiz gaben unsere «Compatriotes». Denn ennet der Saane hatte sich eine virulente öffentliche Diskussion über die welsch-französische Esskultur entsponnen, da man diese in Gefahr sah. Tatsächlich war die Gänse-, Stopf­leber oder Foie gras Auslöser. Sollte doch der Import dieser bei den Romands beliebten Delikatesse zusammen mit etlichen weiteren Produkten aus tierschützerisch fragwürdiger Produktion verboten werden. Für die Herstellung von Foie gras müssen Gänse in ziemlich unwürdiger Art und Weise mehrmals am Tag zwangsgefüttert werden. Das «Stopfen» von Tieren ist in der Schweiz seit 1978 verboten, entsprechende Produkte werden folglich importiert. Eine ganze Reihe Westschweizer Nationalräte hatte dieser Verbotsforderung im Sommer noch zugestimmt – und wurde dafür in der Heimat hart angegangen.

Stopfleber, Froschschenkel, Escargot à la bour­guignonne, Entrecôte Café de Paris, Filet mignon: Die Romands zelebrieren ihre Küche, sie gehöre zum «kulturellen Erbe – mehr als in der Deutschschweiz». Nichts gegen einen grossen Teller kulinarischen Lokalpatriotismus. Aber wenn Bundesparlamentarier uns «Röschtis» vorhalten, dass «das gute Essen» in der Westschweiz einen höheren Stellenwert habe, dann ist mir dieses Eigenlob dann doch etwas zu gestopft.

Überhaupt gehört an diese Stelle auch ein kräftiges Lob für unsere Zentralschweizer Küche. Älplermagrone und Öpfuschnitz, Hacktätschli mit Härdöpfustock, eine knackige Schweinsbratwurst, Obwaldner Chässchnitte, Lozärner Chügelipastetli, Hafechabis oder ein Stück Wähe mit Nidle – grossartig! Und inzwischen ist der kulinarisch-eidgenössische Friede wieder hergestellt. Der Ständerat hat das Verbot für Stopfleber und Co. übrigens gekippt. Bon appétit!

Jérôme Martinu, Chefredaktor

jerome.martinu@luzernerzeitung.ch

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