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Hitlers öde Landschaftsbilder

«Kunst sind sie nicht», sagen sogar Vertreter des verkaufenden Auktionshauses. Doch die Qualität ist wohl der kleinste Streitpunkt bei den Gemälden von Adolf Hitler.
Christoph Reichmuth, Berlin

Eine Galerie in Berlin hat vor kurzem angebliche Aquarelle, die der spätere Massenmörder Adolf Hitler um das Jahr 1910 herum gemalt haben soll, in einer Auktion zur Versteigerung angepriesen. Mindest­gebot pro Bild: 4000 Euro. Grundsätzlich ist der Verkauf von Hitler-Bildern legal, solange sie keine Nazi-Symbole enthalten. Aber der junge Hitler hat, soweit bekannt, vor seiner Verwandlung zum selbsternannten Führer keine Hakenkreuze in seine Landschaften gepinselt. Das mit dem Hakenkreuz hat Hitler erst 1920 für sich entdeckt. Erfunden hat dieses Monster das Symbol schon gar nicht. Das Swastika genannte Symbol ist schon 10000 v. Chr. erstmals aufgetaucht, im Hinduismus ist es ein religiöses Glückssymbol.

Die angeblich von Hitler gemalten Bilder – Flusslandschaften und dergleichen – sind, rein malerisch betrachtet, für den Laien ganz okay, wenngleich total langweilig. «Kunst sind sie nicht», sagt Heinz-Joachim Maeder vom Auktionshaus. Leider hat dies auch die Wiener Kunstakademie so gesehen, als sie Hitler die Aufnahme verweigert hatte. Hätte er es doch geschafft, vielleicht wäre er für ewig ein miserabler Künstler gewesen, über den man heute nichts mehr zu wissen bräuchte. Aber das ist ein müssiges Gedankenspiel. Im Zusammenhang mit seinen öden Landschaftsbildern stellen sich Fragen: Wie kann jemand, der offenbar ein Faible hat für die Schönheit der Natur und demnach dem Leben doch irgendwie zugetan sein muss, so ein Menschenfeind und Antisemit werden?

Warum Sammler für die Hitler-Werke 100 000 bis 130 000 Euro hinblättern, ist genauso wenig nachzuvollziehen. «Richtige Hitler-Fans können sich so ein Bild nicht leisten, die sind geistig zu schlicht», glaubt Maeder vom Auktionshaus. Wie er auf diese Gleichung kommt, erklärt er nicht. Geistige Schlichtheit und Hitler-Verehrung muss nicht zwangsläufig mit einem leeren Konto im Zusammenhang stehen. Auch ganz fürchterlich dumme Menschen schaffen es zu Reichtum. Und Hitler-Verehrer sind ganz fürchterlich dumme Menschen. Von den öden Bildern wurde übrigens kein einziges verkauft. Das Landeskriminalamt Berlin hat die Bilder noch vor der Auktion beschlagnahmt. Wegen des Verdachts, bei den Aquarellen handle es sich um Fälschungen. Gut so. Eigentlich sollten diese Bilder gar nicht gehandelt werden. Sie gehören ins Museum, wo über diese gescheiterte Existenz berichtet wird, historisch erläutert. In Galerien auf dem freien Markt haben die Malereien dieses Pseudokünstlers nun wirklich nichts zu suchen.

Christoph Reichmuth

Christoph Reichmuth

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