Kolumne

«Mein Bild»: Im Gleichklang – Gymnastik oder Golf?

Diese drei Hickory-Golf-Spieler aus der Schweiz nehmen derzeit an einem Golfturnier in Schottland teil. Dresscode und Haltung spielen bei dieser traditionellen Variante des klassischen Golfsportes offenbar eine ebenso wichtige Rolle wie der Sport.

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Die drei vom Hickory-Golf: Diese Schweizer frönen in Schottland dem historischen Golfen. (Bild: Jane Barlow/Keystone (East Lothian, 15. Oktober 2018))

Die drei vom Hickory-Golf: Diese Schweizer frönen in Schottland dem historischen Golfen. (Bild: Jane Barlow/Keystone (East Lothian, 15. Oktober 2018))

Adrett, adrett. Diese drei Schweizer Herren haben Sinn für Stil und Show. Das gleiche Karo, die gleichen Knickerbocker, die gleichen roten Kniestrümpfe, die gleiche Beinhaltung, der gleiche Vollbart, die gleiche gute Laune. Vermutlich darf man letztere auch haben, spielt man ein paar Tage Hickory-Golf in East Lothian, an der schottischen Nordseeküste.

Allen, die über Golf so wenig wissen wie die Autorin dieser Zeilen, sei gesagt: Hickory-Golf ist die traditionelle Variante des klassischen Golfsports, die mit Schlägern aus dem Holz des Hickorybaums gespielt wird. Das Golfen im Stil früherer Zeiten hat weltweit viele Anhänger, gerade im Vereinigten Königreich. Der Dresscode für Hickory-Golfer: Schiebermütze, Knickerbocker und Kniestrümpfe bei den Herren, lange Röcke und viktorianische Hüte bei den Damen.

Die drei Schweizer Golfer auf unserem Bild nehmen derzeit teil am «World Hickory Open Championship» an Schottlands «Golfküste». 16 erstklassige Golfplätze sind hier über 20 Meilen Küstenlinie verteilt. Mittendrin: der älteste Golfclub der Welt in Musselburgh – «The Musselburgh Links», dokumentiert seit 1672.

Und was, bitte schön, bedeutet nun das Wort «Links» in diesem Zusammenhang? Verlinkt, verlocht, verloren? Nein: Mit «Links» wird die Art von Golfplatz bezeichnet, die den ursprünglichen Plätzen in Grossbritannien nachempfunden ist, auf denen der Golfsport begonnen hat. Und zwar auf sogenanntem Linksland: eine früher als unbrauchbar angesehene Dünenlandschaft, die das Meer mit dem fruchtbaren Ackerland verbindet.

Wo man weder etwas anbauen, noch Tiere grasen lassen konnte, gab man das von Wind und See gepeitschte Land zur allgemeinen Benutzung frei. Unter anderem zum Golfspielen. Linksland besteht aus salzhaltigem Sandboden. Bäume finden sich hier so gut wie nie, dafür Ginster oder Heidekraut. Nach wilder schottischer Vegetation sehen auch unsere drei Protagonisten aus. Fragt sich nur, was sie vorhaben: ein Modeshooting, eine Übung in Simultan-Gymnastik oder doch lieber das Golfspielen?