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Käsebrot zu Silvester!

Einblicke: Unsere Kolumnistin Sabine Dahinden über Tierliebe, Bratwürste und die Moral.
Sabine Dahinden, SRF-Moderatorin
Sabine Dahinden.

Sabine Dahinden.

Mein Kater schimpft mit mir, weil ich ihn nicht nach draussen gehen lasse. Der Tierarzt hat es verboten, weil sein Bauch nach einem Hundebiss genäht werden musste (der Bauch des Katers, wohlverstanden). Ich tue so, als hätte ich den Befehl zum Türöffnen nicht begriffen, aber der Kater weiss natürlich haargenau, dass ich weiss, was er will. Ein lautes Jammern ist die Folge. Und natürlich lasse ich mich erweichen.

«Du und deine Tierliebe!», spottet meine Freundin Annegret, «Man kann es auch übertreiben mit Krankenpflege und Umäbäbälä!» Was mir meine Katze zeigt, liebe Annegret, ist, dass Tiere uns nicht untertan sind, der Mensch ist ihnen nicht überlegen. Die Tiere sehen, hören, riechen Anderes als wir. Ich habe den Verdacht, sie sind in manchen Dingen viel schlauer als wir.

Vor kurzem hat mich eine Zahl erschreckt: 70 Millionen: Mehr als 70 Millionen Nutztiere sterben in der Schweiz jedes Jahr im Schlachthof! «Annegret, denkst du denn nie daran, dass ein Tier für dich sterben musste, wenn du deine Bratwürste, Hamburger und Schnitzel brutzelst?»

Annegret hält mich für zu moralisch. Und natürlich führt sie sofort ins Feld, dass ich ja auch Lederschuhe trage. «Und eine Ledertasche und einen Ledergurt hast du auch! Denkst du denn da an die Kälber, Rinder und Schafe, die dafür gestorben sind, hä?» Damit schiesst sie natürlich Schrot zwischen meine Rippen, sie trifft den wunden Punkt, auch wenn ich nun ins Feld führen könnte, dass Leder ja ein Schlachtabfallprodukt sei.

«Also wenn keine Tiere mehr geschlachtet werden, verzichte ich auf Lederschuhe», sage ich kleinlaut, «70 Millionen, Annegret! Stell dir das Leid vor, das wir täglich anrichten! So viel Fleisch und Fisch braucht der Mensch doch gar nicht, um zu überleben!» Mir graust es vor der ganzen Schlachterei und vor den Fleischbergen.

Doch Annegret zuckt mit den Schultern: «Ich bin morgen zu einer Silvesterparty eingeladen. Da wird es ganz bestimmt nicht nur Rüebli und Körnli zu essen geben, denn da sind Geniesser dabei. Weltverbesserer wie dich laden wir gar nicht erst ein!», zänggelt sie.

Es gelingt ihr immer wieder, mich zu übertrumpfen. Ich glaube, ich bleibe über Silvester daheim. Freiwillig, ohne zu schimpfen wie mein Kater. Und zu Neujahr gönne ich mir ein Käsebrot!

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