Knellipedia-Kolumne
Leser fragt, Wissensredaktor antwortet: Wie kommt es eigentlich zu den Varianten-Bezeichnungen BA.4 oder BA.5?

Leserin A. K. aus Sax möchte wissen, wer die Bezeichnungen von neuen Virusvarianten bestimmt. Das Verfahren wurde erst kürzlich modifiziert.

Bruno Knellwolf
Bruno Knellwolf
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Unabhängig vom Subtyp hochansteckend: das Coronavirus.

Unabhängig vom Subtyp hochansteckend: das Coronavirus.

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Das Corona-Virus Sars-CoV-2 mutiert extrem häufig, deshalb gibt es auch unzählige Bezeichnungen. Am Anfang war das für den Laien noch relativ einfach. Der Urtyp von Sars-CoV-2 war die chinesische Variante, die von der Grossstadt Wuhan aus um die Welt ging. Dann gab es die südafrikanische Variante, die brasilianische und sogar eine schweizerische.

Gezeigt wurde damit, wo die Variante erstmals entdeckt worden ist, was nicht unbedingt der Ursprungsort sein musste. Die Bezeichnung beschädigte das Ansehen eines Landes. Deshalb wurden Buchstaben aus dem griechischen Alphabet genommen, um die besorgniserregenden Varianten zu bezeichnen: Von Alpha bis Omikron.

Die Buchstaben ersetzen aber nicht die wissenschaftlichen Bezeichnungen. Alpha ist B.1.1.7, Omikron B.1.1.529. Von diesen gibt es noch unzählige Untervarianten. Die aufkommende Omikron-Variante aus Indien hiess zuerst BA.2.10.1.1 und ist eine Unterlinie von BA.2.10.1. Dann wurde diese Variante zu BJ umgetauft und die aktuelle Untervariante heisst nun BJ.1.

«Diese Umbenennung ist eine Standardprozedur, um immer länger werdende Zahlenkolonnen zu vermeiden», erklärt Richard Neher vom Biozentrum der Uni Basel. Neue Varianten werden vom «Cov-Lineages Consortium» identifiziert. Die Namensgebung verläuft automatisiert. Sobald die Variante identifiziert ist, wird der Name anhand von fixen Regeln definiert.

Leserfragen an:
bruno.knellwolf@chmedia.ch