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Villa Kunterbunt: Küss die Hand!

Kleine Kinder kleben gern wie Bonbons an der Mama - später weicht die Anhänglichkeit unbedingter Coolness.
Bettina Kugler

«Babys sind so süss, dass man sie auffressen möchte. Wenn sie grösser sind, fragst du dich: Warum hab ich’s nicht getan?» Es ist gut 13 Jahre her, dass ein schon reiferer Kollege die närrische Freude über unser neugeborenes Töchterlein mit vielsagendem Lächeln dämpfte. Wartet nur, sagte der Blick, das bleibt nicht so. Dieses unbedingte Bedürfnis nach Nähe und Zärtlichkeit beiderseits ist vergänglich. Es gibt, so habe ich gerade erst gelernt, auf den Philippinen dafür ein nicht ins Deutsche übersetzbares Wort, «Gigil»: den unwiderstehlichen Drang, ein kleines Kind zu knuddeln. Die reine Freude an weicher Haut, am Duft eines beflaumten, unbedingt schützenswerten Köpfchens. Stimmt!

Das Köpfchen trägt unterdessen lange dunkle Haare, und drunter macht es sich so seine eigenen Gedanken. Vorbei die Zeiten, als es abends nicht bloss «blitzkuscheln» wollte, nein: «schneckenkuscheln». Und die Schnecken musste man sich einen Meter voneinander entfernt denken, so lang ging das. Im Schwäbischen, das mir näher liegt als die Philippinen, gibt es dafür eine schöne Wendung: an der Mama kleben «wia ä bäppigs Bombole». Lieb und lästig! Die Rollen haben sich längst verkehrt: Jetzt tun wir Alten wie angelutschte Bonbons. An seltenen Glückstagen werden wir morgens an der Haustür mit einem Luftkuss aus der Ferne abgespeist.

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