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Kolumne

Landauf, landab: Das Parfüm

Reporter Roger Rüegger findet es okay, wenn man ab und zu etwas verliert und es dann suchen muss. Wie schön es sein kann, wenn man etwas findet, das man nicht selber verloren hat, berichtet er uns hier.
Roger Rüegger

Ordnung ist das halbe Leben, heisst ein Sprichwort. Das lasse ich so stehen, nehme mich hierbei aber aus dem Spiel. Nicht, dass ich ein Chaot wäre, aber in unregelmässigen Abständen nach dem Portemonnaie, einem Schraubenzieher oder der Lieblings-Kaffeetasse zu suchen, hat für mich auch seinen Reiz.

Neulich suchte ich den Autoschlüssel. Das ist allerdings weniger lustig, weil man in dieser Situation meistens spät dran ist. Ich fand den Schlüssel rasch – weil ich ihn in meiner linken Hand hielt, mit der ich die Tür zur Garage öffnen wollte. Die Garage ist denn auch der Schauplatz der Geschichte, die ich erzählen will. Die geht so: Mein Mädchen wollte mich motivieren, die vielen Kartonschachteln, die unserem Haushalt vor Weihnachten aus der ganzen Welt angeliefert wurden, zu bündeln und im Wiggertal zu entsorgen.

Sie deponierte die alten Schachteln neben dem Auto. Wohlweislich, dass ich die jeden Tag im Auge behalte – und in der Hoffnung, dass ich sie bald entferne (die Kartons wohlgemerkt). Ich sah keinen Anlass zur Eile. Mehrere Tage stieg ich über den Stapel wenn ich mein Auto benutzte. Letzten Montag wollte ich die Sache nun angehen. Kurz bevor ich mit dem gebündelten Gut zur Deponie losfahren konnte, bat mich meine Auftraggeberin per SMS, die Kartons zu durchsuchen. Sie vermisse nämlich ein Flacon mit einem teuren Parfüm. Dieses sei in einem Kuvert geliefert worden. Es könnte sein, dass «man» dieses versehentlich mit dem Parfum zum Altkarton gesteckt habe. «Man» bedeutet hier Frau. Item, das wertvolle Flacon befand sich – natürlich – im Stapel.

Ich rettete es dank meines besonnenen Wartens. Die Moral der Geschichte will niemand wissen. Aber wie gesagt: Die Sache mit dem halben Leben wird stark überbewertet.

Hinweis: Am Freitag äussern sich jeweils Gastkolumnisten und Redaktoren unserer Zeitung zu einem frei gewählten Thema.

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