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Kolumne

Landauf, landab: Napoleon

Thomas Lötscher alias Veri sinniert über die guten alten Zeiten, als Politiker am 1. August eine kurze Rede hielten und man danach ein Jahr lang Ruhe hatte.
Thomas Lötscher alias Veri
Thomas Lötscher alias Veri

Thomas Lötscher alias Veri

Rütli und Eidgenossen bei den Einen, Erfolg und Öffnung bei den Anderen. Wie immer: die gleichen Themen bei den Reden und Appellen zum 1. August. Trotz seiner Bedeutung für die Schweiz hat über Napoleon – soweit ich weiss – niemand gesprochen. Ich habe recherchiert. Zugegeben, live musste ich keine einzige Rede über mich ergehen lassen. Kevin hat mir sein Handy vertlehnet, online kann man die Politiker schneller abspulen. Spart Zeit.

Vielerorts spart man sich heutzutage sogar die ganze Feier. Entlebuch, Willisau, Hitzkirch: keine Feier, keine Rede. In Ballwil gibt’s im August nur Grüngutabfuhr, Häckseldienst und Papiersammlung. Typisch schweizerisches Brauchtum eben. Mehr braucht es zum Feiern der Schweiz offensichtlich nicht.

In Sörenberg hingegen gab’s neben der «offiziellen Bundesfeier» im Tal einen «1. August auf dem Brienzer Rothorn mit Höhenfeuer». Wer den Weitblick bei der Rede des Nationalrats vermisste, konnte also auf den Aussichtspunkt wechseln. Reservation vorausgesetzt. Spontan konnte man in die Badi. In Nottwil zum Ständerat, in Schüpfheim zur Matinee und in Sursee zum Volksapéro und Bräteln. Aus der «Bundesfeier» wurde dort ganz offiziell ein «gemütliches Beisammensein». Der Senf, den Politiker früher dazugaben, ist den Leuten heute wurscht.

Doch die Rache der nicht mehr eingeladenen Politiker rollt an. Wie eine biblische Heimsuchung sind sie für den Wahlkampf auf der Luzerner Landschaft «on tour», «unterwägs» oder «bi de Lüüt». Auch in Entlebuch, Willisau und Hitzkirch. Mir war das früher mit der Bundesfeier lieber: Kurze Rede am 1. August und man hatte Ruhe bis zum nächsten Jahr. Früher. Doch die Bundesfeiern werden trotz vergangenen Glanzzeiten bald verschwunden und vergessen sein. Genau wie Napoleon.

Hinweis: 
Am Freitag äussern sich jeweils Gastkolumnisten und Redaktoren unserer Zeitung zu einem frei gewählten Thema.

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