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Kolumne

Mein Körper gehört euch!

Wieso müssen andere entscheiden, welche Körper schön sind?
Joëlle Weil
Joelle Weil.

Joelle Weil.

Meine erste Diät habe ich mit 14 Jahren gemacht. Hüttenkäse, Salat und zum Abendessen einen Apfel. Ich war weder dick noch schlank und keiner scheint damals hinterfragt zu haben, dass sich ein so junges Mädchen bereits mit diesem Thema auseinandersetzte. Je schlanker, desto schöner. Je schöner, desto besser. Damals glaubte ich daran.

Als Frau des Westens – so dünkt es mich – muss man sich damit abfinden, dass der eigene Körper das Anliegen aller ist. Er gehört zwar dir, ist aber gleichzeitig Teil des öffentlichen Interesses. «Body-Shaming», «Skinny-Shaming», «Fat-Phobia»... In der Zwischenzeit haben sich viele Begriffe angesammelt, welche alle möglichen Umgänge und Meinungen gegenüber allen möglichen Körpertypen umschreiben.

Während meinen frühen Zwanzigern kam diese «Fühl dich gut so wie du bist»-Haltung auf. Auf Werbeplakaten waren plötzlich Frauen – wie ich heute eine bin – zu sehen. Es ging in den Medien nicht mehr nur um Essstörungen, sondern auch um Extrapfunde. Kurven. Auch um Übergewicht. Und ständig fühlte ich mich von der Öffentlichkeit beobachtet oder wurde darauf angesprochen. Ob ich diese Werbung gesehen hätte. Die sei so schön. Da sollte ich auch mal mitmachen. Mein Körper war Teil einer ständigen Debatte, obwohl ich das nie wollte. Darf ich mich jetzt wohlfühlen? Darf ich nicht? Die Zeiten änderten sich.

Ich sah dieses Jahr die Filme «Embrace» und «I feel pretty», in denen ein positives Körpergefühl für nicht schlanke Frauen vermittelt werden soll. Und vor allem bei «I feel pretty» – einer Komödie, die dem Thema einen humoristischen Twist verleihen soll – fragte ich mich: Ist mein Körper wirklich Komödie? Ist es lustig, dass ich mich schön fühle?

Es ist wie mit so vielen Themen im Leben: Wir denken, je öfter wir darüber reden, desto besser wird es. Und es wurde und wird so viel geredet und geschrieben. «Akzeptiere deinen Körper» gehört zu jenen Sätzen, die ich oft hörte. Dass es dabei immer nur um vermeint­liche Schönheit anstatt um die Wertschätzung der körperlichen Gesundheit ging, ist eine unfassbar undankbare Haltung, mit der ich auch heute nicht klarkomme.

Wir stürzen uns von einem Schönheitsideal ins nächste und vergessen dabei komplett, wie unwichtig es ist, einem Ideal zu entsprechen. Und je öfter wir darüber reden, desto öfter wird mein Körper Teil dieser oberflächlichen Debatte, die ich gar nicht führen will. Ob jetzt nur dünne oder auch mollige Frauen auf Laufstege dürfen, ist doch unwichtig. Darf ich mich nur gut fühlen, wenn auch meinesgleichen für Modelabels laufen dürfen? Ich sollte für mein positives Körpergefühl keine Plus-Size-Models brauchen. Ich muss meinen Körper nicht im Kino als Attraktion sehen, um verstehen zu können, dass er und ich ok sind. Ob ich meinen Körper heute liebe? Nein. Aber ich finde ihn gut. Und ich bin dankbar, dass er bei guter Gesundheit ist. Ich finde nebst meinem Körper noch vieles auf der Welt nicht perfekt. Und so manch ein Thema verdient weit mehr Aufmerksamkeit als Schönheitsideale.

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