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Kolumne

Mit 66 Jahren ...

Einblicke
Werner Keiser, dipl. Übersetzer
Werner Keiser. (Bild: PD)

Werner Keiser. (Bild: PD)

... da fängt das Leben an, kommt man erst in Schuss, mit 66 Jahren ist noch lange nicht Schluss,» heisst ein bekannter Schlager. Es ist schon kurios, was Leute nach der magischen Zahl noch alles «anteiggen».

Zum Beispiel ein mir bekannter Banker: Er hat sich mit 62 frühzeitig in die Rente verabschiedet, die Schnauze voll vom «Nine-to-five-Job» rund um den schnöden Mammon, Buchhaltung, ellenlangen, wenig ergiebigen Sitzungen. Tschüss aufgebrachte Kunden, launische Chefs, Korrektness in Hemd und Krawatte. Jetzt nochmal Gas geben: Lange Haare, Lederjacke, auf’s Motorrad und ab durch die Mitte.

Zwei andere Gesellen der gleichen Branche haben sich für folgendes, krasses Kontrastprogramm entschieden: Raus ins Wetter, auf den Bau als Handlanger, für ehrenamtliche 25 Franken netto die Stunde. Ein Arbeitsplatz, wo Duzen und eine rohe, laute Sprache normalo ist. Malochen mit Steinbohrer, Schlegel und Fräse. Zum Beispiel an einem Tag 50 Briefkästen montieren oder Zentnerschweres vom Laster wuchten.

Ein 70-jähriger mit Verdacht auf Masochismus? Der eigentliche Lohn: abends todmüde ins Bett kippen, «stanco ma felice», italienisch für müde, aber glücklich. Und was eine Persönlichkeit wie mein Ex-Banker auf dem Bau nebenbei noch bewirken kann – unbezahlbar. Mit Wagemut auf lästernde, rumbrüllende Arbeitskollegen zugehen und irgendwie seelsorgerisch auf sie einwirken. Und, zu aller Verblüffung, läuft’s plötzlich wie am Schnürchen.

Mit 66 Jahren ist noch lange nicht Schluss? Udo Jürgens’ Optimismus mag so manchen verzücken, der seine eigene Endlichkeit zu verdrängen versucht. Selber hat unser Vorbild urplötzlich beim Spazieren das Zeitliche gesegnet. Jedes Lebensjahr ab 70 ist ein Geschenktes, so steht’s jedenfalls im Buch der Bücher, das Gott sei Dank der eine oder andere im Alter doch noch vom verstaubten Gestell holen könnte.

Vor fünf Tagen durfte ich als Handlanger der guten Nachricht meinen 66. Geburtstag feiern, im steten Bewusstsein, dass jederzeit «Ende Gelände» sein kann. Auf dem Motorrad, dem Bau oder beim Niederschreiben dieser Zeilen. Was sind schon 66 Jahre? Selbst für hundertjährige Methusalems sind die paar Jährchen ein Wimpernschlag, gemessen am ewigen Leben. Erkenntnisreichen Sonntag!

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