Kolumne

«Papa & Papi»: Was wir beim Elterngespräch  über unsere Kinder erfuhren

In seiner Kolumne «Papa & Papi» schreibt Ethiker Michael Braunschweig über das Elternsein mit seinem Mann und seinen Kindern. Diese Woche über das vorbildliche Hygieneverhalten seiner Kinder.

Michael Braunschweig
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«Schweiz am Wochenende»-Kolumnist Michael Braunschweig (Bild: CH Media)

«Schweiz am Wochenende»-Kolumnist Michael Braunschweig
(Bild: CH Media)

Dieser Tage fanden in unserer Kita Entwicklungsgespräche statt. Für uns eine neue Situation, dass unsere Kinder nun vermessen werden. Von nun an wird die Entwicklung unserer Kinder beobachtet und mit Standardwerten verglichen. Und wir werden über Entwicklungsschritte und -defizite unterrichtet.

Neugierig, ob die Zwillinge sich ausser Haus anders verhalten als zu Hause, erschienen wir zum Gespräch mit der Gruppenleiterin. Anhand sorgfältig geführter Journale wurden wir zum Beispiel darüber unterrichtet, dass Töchterchen sich gerne mit Büchern beschäftige und in der Lage sei, diese richtig herum zu halten. Das hat uns nun noch nicht so überrascht. Auch nicht, dass Söhnchen in der Lage sei, Spielsachen zu teilen oder Zwei- und Drei-Wort-Sätze zu bilden.

Interessant wurde es beim sozialen Verhalten. Wenn Töchterchen zu Hause weinen muss, weil sie den Finger eingeklemmt oder einfach nicht diesen Pullover anziehen will, ist Söhnchen sogleich zur Stelle, streichelt sie oder hilft ihr. Töchterchen tut dies weniger. Wenn bei Söhnchen die Tränchen fliessen, scheint sie das nicht so sehr zu interessieren – lieber zieht sie sich zurück und erzählt ihrem Stoffaffen eine Geschichte. In der Kita verhalten sie sich aber offenbar gerade anders herum: Wenn Söhnchen Hilfe braucht, sei Töchterchen jeweils sofort zur Stelle und stehe ihm bei.

Auch gegenüber anderen Kindern sei sie sehr hilfsbereit, während Söhnchen in der Kita eher seine Wege gehe. Eine erfreuliche Nachricht, hatten wir uns doch bereits gefragt, was es mit der kalten Schulter, die wir von Töchterchen kennen, auf sich hat. Geschmunzelt haben wir aber, als die Gruppenleiterin uns vom Waldtag berichtete. Beide würden gerne in den Wald gehen, aber ihre Freude am Dreck lasse zu wünschen übrig: Wenn sie ein wenig Erde oder Moos an den Händen hätten, würden sie insistieren, nun die Hände zu waschen. Hier wünschte sich die Betreuerin ein wenig mehr Gelassenheit.

Als Eltern waren wir nicht unglücklich, das zu erfahren. Es freut uns, dass auch unsere Kinder offenbar Wert auf Reinlichkeit legen. Überrascht hat uns allerdings, dass unsere Familienkultur im Kita-Kontext offenbar auffällt. Ja, wir legen Wert auf Hygiene und haben unsere Regeln: Vor und nach dem Essen werden so selbstverständlich die Hände gewaschen wie nach dem Nasenputzen und genauso nach dem Bus- oder Tramfahren. Gegessen wird am Tisch, auch das Zvieri.

In Zeiten von Corona können wir nur hoffen, dass das Hygienebewusstsein unserer Kinder auch prophylaktisch wirkt. Es gibt momentan jedoch Zweifel daran: Seit mehreren Tagen haben beide Krankheitssymptome, die ihnen den Schlaf rauben und zu erhöhten Temperaturen führen. Wir sahen unsere Wohnung bereits zum Sperrgebiet erklärt und uns unter Quarantäne gestellt. Aber offenbar haben wir Glück: Es ist nur eine Magen-Darm-Geschichte.

Michael Braunschweig

Der Ethiker und Theologe hat mit seinem Ehemann zweijährige Zwillinge.

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