Glosse

Salzkorn

Heute sollen wir Politiker an ihren Worten messen. Doch wird dies dem Wesen der Politik gerecht?

Gottlieb F. Höpli
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Wenn Politiker Fehler begehen, ist ihr Ende oft nicht mehr weit. Noch ungnädiger verfährt die hochmoralische öffentliche Meinung mit jenen, die nicht die Wahrheit sagen – möge die kleine Lüge oder das Verschweigen auch eher geringfügige Dinge betreffen. Das musste einst Bundesrätin Elisabeth Kopp erfahren, und jüngst der Genfer Bundesratskandidat Maudet.

An ihren Taten sollt Ihr sie erkennen? Ach was, heute sollen wir Politiker schon an ihren Worten messen. Doch wird dies dem Wesen der Politik gerecht? Ist es vernünftig, von einem Politiker zu verlangen, seine politischen Gegner über die eigenen Pläne stets frühzeitig ins Bild zu setzen? Vom ­Schwinger, dass er seinen Gegner informiert, bevor er einen Brienzer anbringt?

In der Geschichte finden wir Figuren wie Adolf Hitler, die ihre Pläne mit brutaler Ehrlichkeit deklarierten. Man wünscht sich, das Buch «Mein Kampf» wäre blosses Geflunker geblieben. Leider war es ehrlich. G. F. H.