Glosse

Salzkorn

Bundesräten gönnen wir die Freude am kurzen adventlichen Vorspiel bis zum Amtsantritt.

Gottlieb F. Höpli
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Die schönste Zeit im Leben eines Bundesrates sei jene zwischen der Wahl und dem Amtsantritt, sagte einst einer, der es aus Erfahrung wissen musste. Hinzu komme, fügte er hinzu, die Zeit zwischen der Rücktrittsankündigung und dem Rücktritt. Das hat etwas für sich: In Phase eins erntet man Vorschusslorbeeren en masse, derweil das Lob in Phase zwei dann schon eher einem Nachruf gleicht.

Das Leben dazwischen gleicht hingegen vielfach einem Gang durch die Wüste. Kollegiale Dornen und mediales Gestrüpp stellen sich unseren Magistraten in den Weg. Manche, die sich ungefragt deren Kopf zerbrechen und sie mit unerbetenen Ratschlägen eindecken, können damit ja nicht früh genug beginnen. Ein Blick in die Medien genügt.

Daher gönnen wir unseren Bundesräten die Freude am kurzen adventlichen Vorspiel bis zum Amtsantritt. Bald schon beginnt die graue Wirklichkeit, und – wetten? – bald schon hören wir die ersten Rufe: Kreuziget ihn (oder sie)! G.F.H.