Glosse

Salzkorn

Die Fasnacht war einst die Zeit der verkehrten Welt.

Gottlieb F. Höpli
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Urbane Eltern werden erleichtert aufatmen: Die Fasnachtszeit ist vorbei! Und damit die bange Frage, welche Verkleidungen den lieben Kleinen überhaupt noch erlaubt seien. Nur selten wird ihnen dabei mit Tipps geholfen, wie sie etwa ein Hamburger Kindergarten formuliert hat. Demnach kommen Verkleidungen als Scheich oder Indianer nicht in Frage, da sie nicht «kultursensibel» und daher tabu sind.

Auch Gender-Klischees sollten unbedingt vermieden werden: Prinzen und Seeräuber zementieren nur toxisches Männlichkeits-Gehabe. Pädagogisch viel wertvoller ist es, Buben zu ermutigen, sich als Meerjungmänner, oder Mädchen, sich als Piratinnen zu verkleiden.

Die Fasnacht war einst die Zeit der verkehrten Welt, in der es von lüsternen Pfaffen, eingebildeten Studierten, verlachten körperlichen Missbildungen wimmelte. So tolerant wie die Kirche von einst sind die Hohepriester der politisch-ökologisch-kulturellen Korrektheit heute nicht mehr. G.F.H.