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Glosse

Salzkorn

Die deutsche Sprache lebt. Oder doch nicht? Und warum sich Journalisten und Lehrer gut kleiden müssen.
Odilia Hiller
(Illustration: Corinne Bromundt)

(Illustration: Corinne Bromundt)

Die Sprache lebt. Ein dynamischer Körper, der sich ständig verändert! Das sagen am liebsten jene, die irgendeinen stilistischen oder grammatikalischen Missgriff schönreden müssen. Manchmal gar unter Berufung auf den Duden, der eine hässliche Wendung – einfach deshalb, weil sie irgendwo im dynamischen Körper herumwuchert – mit einem Eintrag adelt.

Ganz anderer Meinung war der Schriftsteller Mark Twain, der schrieb: «Die deutsche Sprache sollte sanft und ehrfurchtsvoll zu den toten Sprachen abgelegt werden, denn nur die Toten haben genug Zeit, sie zu lernen.» Deutsch war zwar nicht seine Muttersprache, aber Kulturpessimisten beobachten auch heute noch, dass es manchen immer schwerer fällt, genügend Lebenszeit auf deutsche Grammatik, Rechtschreibung und Stilfragen zu verwenden.

Das ist nicht schlimm – vorausgesetzt, sie sind nicht Lehrer oder Journalisten. «Die Sprache ist die Kleidung der Gedanken», fand der englische Dichter Samuel Johnson. Lehrer und Journalisten sollten sich als Influencer besonders gut kleiden.

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