Glosse

Salzkorn

Bevor Ihnen im Corona-Lockdown die Decke auf den Kopf fällt, starren Sie noch ein paar Löcher hinein...

Jürg Ackermann
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Illustration: Corinne Bromundt

Schüler, die ihre Freunde nicht mehr sehen, Sportler, die ihre Vereinskollegen vermissen, Rentner, deren Leben sich nun vorwiegend in den eigenen vier Wänden abspielt. Schon manch einer dürfte in diesen herausfordernden Zeiten das Gefühl gehabt haben, es falle ihm die Decke auf den Kopf. Ausserhalb des sprichwörtlichen Bereichs passiert das ja zum Glück nur selten. Ausnahmen bestätigen die Regel: Als 2017 im Restaurant Facincani in der St.Galler Innenstadt eine Akustikdecke herunterstürzte oder vor 11 Jahren, als das Dach einer Turnhalle im Riethüsli zusammenkrachte, kam niemand zu Schaden.

Die Decke ist im Deutschen auf jeden Fall ein Sinnbild für viele Gemütszustände. Wer aufbraust, geht an die Decke. Wenn Schutzmaskenhersteller sich wie jetzt vor Aufträgen nicht retten können, gehen ihre Verkaufszahlen durch die Decke. Und wenn wir gelangweilt herumsitzen, starren wir Löcher in die Decke. Aber bitte nicht zu viele. Denn löchrige Decken, Sie wissen schon, erhöhen die Gefahr, dass uns da bald etwas auf den Kopf fällt.