Glosse

Salzkorn

Kaum schaut Alain Berset kurz weg, fallen sich alle in die Arme, als gäbe es kein Morgen. 

Odilia Hiller
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Illustration: Corinne Bromundt

Allenthalben wagen sich die Menschen wieder ins Freie. Doch kaum schaut Alain Berset kurz weg, wird geherzt und umarmt, was das Zeug hält.

Risikogruppenmitglieder fallen einander um den Hals, auf offener Strasse, masken- und hemmungslos. Ganze Peergroups feiern das «Hey, lange nicht gesehen» mit Hugs & Kisses, als gäbe es kein Morgen.

Das findet Herr «Abstandsregel» Koch gar nicht gut.

Herr Vernazza – das ist der mit der Durchseuchung – vielleicht schon eher.

Körperkontakt, so weiss jedenfalls die Psychologie, ist eminent wichtig für die Gesundheit. Schon im ersten Post-Pandemiespiel der deutschen Bundesliga jubelten Spieler von Hertha BSC darum alles andere als coronakonform.

Quasi sublimiert wurde der Wunsch nach Nähe beim FC Seoul in Südkorea: Dort grüssten Sexpuppen (mit Maske!) von der Tribüne. Wofür sich der Club umgehend entschuldigen musste.

Dabei wäre das doch alles in allem eine sehr hygienische Lösung für allerlei Nähe-Distanz-Probleme. Und unter Notrecht recht einfach im Pandemieplan zu verankern.