Glosse

Salzkorn

Weshalb Maske tragen für Menschen mit angeborener Schnute ungeahnte Vorteile birgt.

Odilia Hiller
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Illustration: Corinne Bromundt

Wegen der Pandemie eine Maske umzuschnallen, ist vielen ein Graus. Dass der Kanton St.Gallen seit Anfang 2019 ein Verhüllungsverbot kennt, dürfte der geringste Hinderungsgrund sein.

Viel bessere Antworten findet die Psychologie. «Masken können eine emotionale Distanz herstellen», sagt der Experte.

«Die Bedeutung der Augen des Gegenübers wird weitherum überschätzt.»

Im Gegenteil: Emotionen wie Trauer, Freude oder Angst vermittle der Mund viel stärker. Findet die Kommunikation über die Regungen der unteren Gesichtshälfte also nicht mehr statt, kann uns Westler das sehr verunsichern.

Maskenträgerinnen wirken demnach distanziert und sind schwer einzuschätzen. Im Berufsleben birgt das natürlich Risiken. In der Praxis zeigen sich aber ungeahnte Vorteile: Die Pflicht, ständig zu lächeln oder freundlich aus der Wäsche zu schauen, fällt mit Maske plötzlich weg. Wessen Mund von Natur aus ein mehr oder weniger angewidertes Resting-Bitch-Face formt, führt hinter der Maske ein ganz entspanntes Leben. Und lächelt still in sich hinein.