Salzkorn

Wir Schweizer haben ein gestörtes Verhältnis zur Urbanität, zu vielem, was eine Stadt ausmacht: zu Plätzen beispielsweise. Nun gut, Sienas Campo oder Venedigs Markusplatz sehen auch wir als Touristen gerne.

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Wir Schweizer haben ein gestörtes Verhältnis zur Urbanität, zu vielem, was eine Stadt ausmacht: zu Plätzen beispielsweise. Nun gut, Sienas Campo oder Venedigs Markusplatz sehen auch wir als Touristen gerne. Aber bei uns? Da gilt ein Platz als ungenutzter Leerraum, als sinnlose Verbreiterung von Strassen, als pure Verschwendung. «Leer, grau und überflüssig» sei der geplante neue St. Galler Marktplatz, kritisieren nicht nur Naturschützer: «Pflanzt doch wenigstens Bäume!»

Jahrzehntelang waren Plätze hierzulande nicht viel mehr als ein Synonym für Parkplätze. Jetzt, wo die Autos weichen müssen, ruft die Aussicht auf städtische Freiräume einen wahren Horror vacui hervor. Wenn schon keine Autos mehr, und auch kein Kartoffelacker (wie das Zürcher Bellevue während der Anbauschlacht), dann doch bitte wenigstens Bäume, Blumenkisten und Bänkli. Was für ein Schweizer Selbstbild! Wir sind Bauern, Touristen, Senioren. Nur keine Städter. Auch nicht in unseren Städten. G. F. H.