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Kolumne

Schlangentöten leicht gemacht

Die Kinder kennen den Unterschied zwischen Leopardenfell und Schlangenhaut. Das ist schon mal gut.
Susanne Holz

Mit zunehmendem Alter werden Kinder frecher. «Hast du eine Schlange getötet?», fragte mich mein Sohn kürzlich, als ich ein neu erworbenes Kleid mit diesem unwiderstehlichen Muster trug, das einem vermutlich nur gefällt, weil es so plötzlich und unerwartet die Schaufenster füllte. Hui, was ist das? Dachte man, und dann: Sieht eigentlich apart aus, es muss ja nicht immer ein Leopard sein.

Nach der frechen Bemerkung des Sohns wusste ich zumindest: Die Kinder kennen den Unterschied zwischen Leopardenfell und Schlangenhaut. Das ist schon mal gut. Und nicht selbstverständlich, da Fauna und Flora nicht mehr unbedingt zu den ersten Interessen heutiger Jugend gehören. Ob der Nachwuchs allerdings auch noch die Geschichte von Adam und Eva, dem Apfel und der Schlange, nacherzählen könnte ... Wohl eher nicht. Und auch nicht schlimm. Mir war diese Geschichte schon immer etwas unheimlich, und warum gerade ein Apfel zur Sünde führen sollte, habe ich auch nie so richtig verstanden.

Wesentlich interessanter als ein Apfel schmecken allerdings auch die Frühstück-Flakes nicht, die meine Kinder derzeit mögen. Aus der «Disney Kitchen» einer grossen Firma: «Flakes Disney Mickey Mouse» heissen sie und sind laut Produktbeschreibung eine «knusprige Getreidekost mit Toffee-Geschmack». Auf der Packung lacht einem eine lustige Mickey Mouse entgegen und in der Packung finden sich viele kleine Männchen, die, was den Geschmack betrifft, dem Apfel keine grosse Konkurrenz sind.

«Hast du Mickey Mouse gegessen?», hätte ich also kontern können, als mein Sohn mich nach der getöteten Schlange fragte. Solche Schlagfertigkeit geht mir allerdings ab. Zudem war ich abgelenkt, weil die Schwester des Sohns mir gerade erklärte, was ein «crush» ist. Der Slang der Jugend lacht einen eben nicht aus jedem Schaufenster an ...

Leichter ist`s, eine Schlange zu töten oder Mickey Mouse zu essen, als den Wortschatz nachfolgender Generationen zu verstehen. So ist ein «crush» alles andere als ein crash, obwohl das eine doch auch mit dem anderen zu tun hat. Der «crush» ist ein Schatz, ein menschlicher, und da ist der crash oft nicht weit. Die Schlange auch nicht. Und Mickey Mouse? Die holt einen ins Paradies zurück.

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