Kolumne

«Schnee von gestern»: Hotel-Morgen ohne Buffet-Zmorge

Wenn unser Autor frühstückt, ist das oft «eine freudlose Angelegenheit». Erst in Hotels wird er zum grossen Frühstücker - doch jetzt sind die Buffets weg.

Hans Graber
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Hans Graber

Hans Graber

Zu den vielen Folgen der «Krise» gehört der Wegfall des Frühstücksbuffets in Hotels. Wie hoch das Ansteckungsrisiko dort wäre, wurde noch durch keine Studie beziffert. Wenn ich aber jeweils nach einem Buffet-Zmorge an meinem Platz aufs Tischtuch schaue, liegen Schmier- und Tröpfcheninfektionen durchaus im Bereich des Möglichen. So gesehen, habe ich Verständnis für die Massnahme, auch wenn die angebotenen Alternativen neue Probleme bringen, wie erste Erfahrungen zeigten.

Üblicherweise bin ich kein grosser Frühstücker vor dem Herrn. Eine Scheibe Brot, etwas Butter, selbstgemachte Konfitüre (Erdbeeren, Aprikose oder – meine liebste – die Mischung aus Heidel-, Him- und Brombeeren mit etwas Basilikum) und zwei grosse Tassen Kaffee (Bertschi, Bio Bravo, «Helle Röstung») mit etwas Milch. Man hat sich mein Zmorge-Ritual als recht unspektakuläre, teils etwas freudlose oder gar muffige Angelegenheit vorzustellen. Seit meine Frau auf den Zug des Intervallfastens aufgesprungen ist, verrichte ich die Sache alleine. Gross verändert gegenüber früher hat sich wenig. Langjährige Beziehungen haben im besseren Fall den Vorteil, dass auch ohne Worte alles klar ist. Klar und gut. In Hotels hingegen mache ich bzw. machen wir (dort ist dann nix mit Intervall) Gebrauch vom Frühstücksbuffet. Ich beige nicht blindwütig in mich hinein, probiere aber gerne von vielem ein bisschen, auch aus der «Vitalecke» mit ihren wunderlichen Körnern.

Einzig den Sekt, falls es welchen gibt, lasse ich immer aus. Alles zu seiner Zeit. Zmorge, Zmittag, Znacht! Aber Brunch? Auf keinen Fall. Ebenso wenig das vermutlich einst von meiner ansonsten wirklich sehr lieben Mutter erfundene «Zobigznacht». Und eben, ein weiteres No-Go ist Alkohol zum Frühstück. Gegen Abend sieht das dann etwas anders aus. Sekt war diese Woche nicht auf der Liste, die man bei der Frühstücksbestellung ankreuzen musste, dafür an die 20 andere Positionen, von «Apfel» über «Multivitaminsaft» bis zu «Schokoaufstrich». Kein Buffet mehr mit freier Auswahl, statt dessen eine Liste, die man schon am Vortag abgeben muss. Für mich eine kaum zu bewältigende Herausforderung. Alles anzukreuzen, habe ich mich nicht getraut. Was würden die auch denken in der Küche. Sogar das vermutlich wunderbar fettige Gipfeli wurde aus falscher Scham ausgelassen, um es dann aber am Morgen schmerzlich zu vermissen. Wie überhaupt alles andere, das nicht angekreuzt war, mit Ausnahme des schwarzbraunen «Schokoaufstrichs».

Am zweiten Ort wurde das Bestellte aufs Zimmer serviert, um jeden Kontakt mit anderen Gästen zu vermeiden. Das hat den Vorteil, dass man im Speisesaal nicht diesen Düften von «belebenden» Wildrosen-Duschgels und Pfirsich-Shampoos ausgesetzt ist und auch keine Leute ertragen muss, die so betont gute Laune an den noch jungen Tag legen und viel und laut reden. Auf der anderen Seite fehlt einem ohne Mitmenschen die tröstende Erkenntnis, dass man selber wahrscheinlich doch nicht die trübste Tasse von allen ist. Ja, ja, das alles ist Klagen auf hohem Niveau, trotzdem geht der Aufruf an die Hoteliers, für die buffetfreie Zeit neue Ideen zu entwickeln. Buffet-Bedienung durch garantiert mit Antikörpern ausstaffiertes Personal? Freies Schöpfen im Schutzanzug? Zmorge-Roboter, die man selber steuern kann? Stimmt, alles nicht gerade toll. Aber was dann? Vielleicht täte mir Intervallfasten ja auch ganz gut.

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