Kolumne

«Schnee von gestern»: Wiederholter Reinfall mit dem Abfall

Eigentlich wird der Abfallsack unseres Autors jeden Freitag um 13 Uhr abgeholt. In den letzten Wochen kam Chaos in Müllentsorgung.

Hans Graber
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Hans Graber

Hans Graber

Konnte man an unserer Strasse jahrelang davon ausgehen, dass der Güselsack am Freitag zirka um 13 Uhr geholt wird, ist nun einiges durcheinandergeraten. Bilanz der letzten Wochen: Zweimal passierte die Abfuhr unser Haus bereits frühmorgens, als unser Sack noch drinnen war. Zweimal zur «alten» Zeit. Einmal gar nicht, auch nicht am Folgetag. Was mag der Grund dieser Unregelmässigkeiten sein? Corona? Die vielen Feiertage im Mai und Juni? Ein neuer Chef bei der Kehrrichtabfuhr, der seine Leute aus dem bewährten Trott reissen will und einen variablen und noch effizienteren Abholplan ausgeheckt hat?

Auf die Hotline der Luzerner Entsorgungs- und Recycling-Firma Real habe ich nicht angerufen. Dort würde man mir nur sagen, dass der Sack halt um spätestens 7 Uhr auf der Strasse stehen muss. Gewähr, dass das Abholen immer zur selben Zeit geschieht, gebe es nicht. Das ist zu akzeptieren, auch wenn das flexible Regime in unserem Haus für Verdruss und Hektik sorgt.

Dazu muss man wissen, dass wir mit einer anderen Partei im Haus einen Gemeinschaftssack haben. Vor allem die beiden beteiligten Frauen sind fast schon professionelle Recycling-Expertinnen. Aber selbst im Bestreben um «Zero Waste» fällt das eine und andere an und füllt wöchentlich einen 17-Liter-Sack. Da die andere Partei am Donnerstag oft erst spätabends nach Hause kommt, wurde der Sack jeweils am Freitagmorgen geschnürt. Das reichte locker bis zur Abholung um zirka 13 Uhr. Zudem konnte man noch den Freitagmorgenmüll mit einpacken und hatte vor dem Wochenende Tabula rasa. Ein gutes Gefühl. Aber das war einmal.

Abfallentsorgung ist eine strenge Wissenschaft. Allein auf den Sack sind acht Verbote gedruckt. Und der Haushaltkehricht ist nur die Spitze des ganzen Scheissbergs. Real listet 24 verschiedene Abfallarten auf und die Zusatzkategorie «Übrige». Ich glaube, die Coronaschutzmassnahmen wurden in der Schweiz nur deshalb so gut eingehalten, weil uns die Abfallwirtschaft jahrelang hart trainiert und uns eiserne Disziplin beigebracht hat. Meine Ämtli sind übrigens das straffe Bündeln des Altpapiers, die Entsorgung von Altbatterien und sperrigem Styropor, dann natürlich das Altglas mit der quälenden Trennung nach oft undefinierbaren Farben sowie die von Real überraschenderweise negierten Korkzapfen (Sammelstelle Luzern: Rest Opus, Bahnhofstr.).

Was tun? Die Lust, bei vorzeitiger Abholung den Sack zu schultern, aufs Velo zu steigen und dem Güselwagen hinterherzufahren, ist gering. Gemacht habe ich das einmal. Ich plädiere für einen «Lumpensammler», einen bis auf den Chauffeur unbemannten Güselwagen, der jeweils am Samstagmorgen nach einem fixen Plan langsam durch die ganze Stadt fährt und einem die Möglichkeit gibt, seinen Sack selber einzuwerfen. Allenfalls könnte auch «Nez Rouge» einen Service aufziehen. Einige Freiwillige dieser löblichen Institution wären vielleicht ganz froh, wenn sie nicht nur an Weihnachten und Silvester etwas Sinnvolles machen könnten. Bis eine Lösung da ist, setzen wir voll auf Risiko und stellen den Sack weiterhin im Lauf des Freitagvormittags raus.

Nachtrag: Gestern Freitag, 13.15 Uhr. Der Real-Sack wurde soeben abgeholt. Jetzt nur nicht übermütig werden.

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