Schreibt mehr Briefe!

Zuger Chefredaktor Harry Ziegler zu den verschwindenden Poststellen.

Harry Ziegler, Chefredaktor
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Harry Ziegler

Harry Ziegler

Das war schlechtes Timing. Die Schweizerische Post hat am Mittwoch bekannt gemacht, welchen Poststellen im Kanton Zug das Aus droht. Und das just einen Tag nachdem der Post im Nationalrat in Sachen Service public eine schallende Ohrfeige verabreicht wurde. Schlechtes Timing ist eine Sache des Fingerspitzengefühls, ändert aber am Umstand nichts. Im Kanton Zug wird das Postangebot gestrafft. Punkt.

Mit den Poststellen verhält es sich wie mit den Dorfbeizen. Jeder will sie, nur wenige nutzen sie. Der Unterägerer Gemeindepräsident Josef Ribary bringt es in unserer Donnerstagsausgabe auf den Punkt: «Wenn wir die Post im Dorf wollen, dann müssen wir sie auch nutzen.» Die Rechnung ist relativ einfach: Je mehr Dienstleistungen die Post an einem Ort verkaufen kann, desto lohnender ist es, dort den postalischen Rundumservice anzubieten. Das Interesse der Post an der Führung eines derartigen Standortes nimmt in dem Masse ab, wie die Nachfrage nach ihren Leistungen schwindet.

Dass die Postführung unter solchen Voraussetzungen nicht bereit ist, in jedem Dorf eine voll ausgebaute Poststelle zu betreiben, ist nachvollziehbar. Die Post ist eine Befehlsempfängerin des Bundes und hat eine Leistung – den viel beschworenen Service public – zu erbringen. Über das Wie streiten sich ja aktuell und immer mal wieder Post und Politik. Die Post hat aber auch den Auftrag, das Land kosteneffizient mit diesem Service public zu überziehen. Ein in Zeiten von elektronischer Post und E-Banking offenbar zunehmend schwieriges Unterfangen. Wer also die Post im Dorf haben will, muss sie deshalb mehr nutzen. Das kann ganz einfach im Kleinen beginnen. Indem wir mehr Briefe schreiben und verschicken. Mit der Post natürlich.

Harry Ziegler, Chefredaktor

harry.ziegler@zugerzeitung.ch