Schwierige Nachbarn: Schwyz will Kultur-Konkordat kündigen

Chefredaktor Jérôme Martinu zum Rückzug von Schwyz aus dem Konkordat über den Kulturlastenausgleich.

Jérôme Martinu, Chefredaktor
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Jérôme Martinu

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Kantonsgrenzen sind für Kulturinteressierte irrelevant.In der kleinräumigen Zentralschweiz sowieso. Ob KKL Luzern oder Zürcher Opernhaus, die kulturaffinen Zuger, Urner oder Schwyzer profitieren gerne von ausserkantonalen Institutionen. Doch Schwyz will das Konkordat über den Kulturlastenausgleich – auch Luzern, Zürich und Aargau sind hier eingebunden – aufgrund des Spardrucks aufkündigen. Die jährlichen 1,8 Millionen Franken Fördergelder sollen ab 2022 nur noch auf freiwilliger Basis aus dem Lotteriefonds bezahlt werden, so wie das Nid- und Obwalden tun. Die Schwyzer Bürger müssen diesen Beschluss noch absegnen.

Freiwillige Zahlungen statt verbindliches Konkordat: Allen Beschwichtigungen zum Trotz öffnet dies das Tor zum Totalrückzug. Zudem ist es kurzsichtig, aus Spargründen mit solch falschen Signalen die nachbarschaftliche Solidarität zu strapazieren. Es könnte ja sein, dass man umgekehrt dereinst auf Support aus Luzern angewiesen ist. Der Aargau hatte dies gemerkt und die Austrittspläne wieder gestoppt. In Schwyz scheint die Mehrheit indes mit dem Risiko leben zu wollen.

Gespart wird bekanntermassen auch im Kanton Luzern. Anders als in Schwyz will die Stadt Luzern im Kulturbereich den Kurs beibehalten. Stadtrat und Parlament federn die kantonalen Sparmassnahmen ab. Statt 1,7 Millionen Franken müssen Theater, Sinfonieorchester, Lucerne Festival, Kunstmuseum und Verkehrshaus noch 0,7 Millionen Einbussen in Kauf nehmen. Grund: Die Stadt erhöht ihren Subventionsanteil für die nächsten drei Jahre von den vereinbarten 30 Prozent freiwillig auf 50. Die Botschaft an die Adresse des Kantons ist zu Recht unmissverständlich: «Wir lassen die Kultur nicht hängen.»

Jérôme Martinu, Chefredaktor

jerome.martinu@luzernerzeitung.ch