Kolumne

«Stadtwärts»: Eine Wurst ist eine Wurst ist eine Wurst – der Senf zur Vegi-Wurstdebatte

Dass über die Bezeichnung für fleischlose Würste diskutiert wird, ist rätselhaft. Es wäre doch eigentlich ganz einfach, findet Beatrice Vogel.

Beatrice Vogel
Drucken
Teilen
Beatrice Vogel

Beatrice Vogel

Auf die Gefahr hin, dass ich damit einen Shitstorm auslöse, will ich zur aktuellen Wurstdebatte meinen Senf dazugeben. Zur Wurst passt Senf nämlich besonders gut. In vielen Fällen auch zur Vegi-Wurst. Also, hier kommt der Senf: Dass Bezeichnungen wie «Vegi-Wurst» von einigen Leuten als Etikettenschwindel verurteilt werden, kann ich nicht verstehen. Mir ist es ein Rätsel, warum es um die fleischlose Wurst überhaupt zu einer Diskussion kommt.

Denn für mich ist es sonnenklar: «Wurst» bezeichnet die Form und Verarbeitungsart dieser Speise, genauso wie «Burger» oder «Plätzli». Eine Wurst ist ein längliches Ding mit zwei meist gerundeten Enden, eine Hülle, die mit etwas «Gewurstetem» gefüllt ist. Ob die Füllung aus Brät, Gemüse oder Tofu besteht, spielt dabei keine Rolle. Auch ein Kissen, dass diese Form hat, kann als Wurst bezeichnet werden. Oder anders gesagt: Eine Wurst ist eine Wurst ist eine Wurst.

Genauso einleuchtend ist meines Erachtens, dass es keine «vegane Kalbsbratwurst» geben kann. Wie der Name sagt, ist die Kalbsbratwurst mit Kalbsbrät gefüllt. Ebenso besteht der Beefburger aus Rindfleisch, das Schweinsschnitzel ist ein Stück vom Schwein. Der Gemüseburger ist logischerweise aus Gemüse, das eben gehackt und zu einem Burger zusammengepappt wurde.

Also: Ein bisschen gesunder Menschenverstand, und schon hat sich das Problem erledigt. Darauf könnten die Produktentwickler auch selber kommen, ohne dass der Bund das extra reglementieren müsste. Und anders als bei der anderen aktuellen Begriffsdebatte – jener um den «Mohrenkopf» – wird mit der Vegi-Wurst auch niemand in seiner Persönlichkeit verletzt.

Auch betreffend Mohrenkopf könnte man pragmatischer sein: Wenn sich eine ganze Bevölkerungsgruppe dadurch beleidigt fühlt, sollte man das Ding einfach umbenennen. Schliesslich sollten Süssspeisen unser Leben bereichern und nicht belasten. Mit «Beggeschmutz» oder «Schokokuss» gibt es ja schon längst viel sinnlichere Alternativbezeichnungen.

Mehr zum Thema