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Suche nach dem perfekten Strand

Die Luzerner Journalistin Anemie Wick lebt in Hanoi. Heute schreibt sie über die Sehnsucht nach Einsamkeit und die positiven Seiten einer gewissen Distanz zur Realität.
Anemie Wick

«Aber da ist niemand», sagt Phong. «Ja», sage ich, «das ist doch genau der Punkt.» Ich bin auf der Suche nach dem perfekten Strand. Phong ist ein «Easy Rider», so nennen sich die Motorrad-Fahrer, die man im Süden Vietnams für mehrtägige Routen buchen kann.

Phong hatte im Krieg in Kambodscha gegen die Roten Khmer gekämpft. Er kann nicht verstehen, weshalb ich nach Orten suche, an die offenbar niemand sonst hingeht. Um dann darüber zu schreiben. Bin ich Eva oder die Schlange? So ruiniert man wohl Paradiese. Wie der Strand Maya Bay in Thailand, der für die Verfilmung von Alex Garlands Roman The Beach gewählt wurde. Der seitdem von Touristenhorden ramponierte Strand wurde gerade gesperrt, damit er sich erholen kann.

Ich startete meine Suche an Vietnams Südküste in dem winzigen Fischerdorf Vinh Hy. Ich stopfte mir gerade mit den Essstäbchen Wasserspinat in den Mund, als sich ein Waschbrettbauch auf meiner Augenhöhe materialisierte. Er gehörte einem Russen, gekleidet in Badeshorts. «Ich sehe hier praktisch nie andere Ausländer», sagte er.

Er sei Kite-Surf-Lehrer im nahen Badeort Nha Trang. Ich sagte mit vollem Mund, dass ich hier sei, um nach einsamen Stränden zu suchen. Er habe ihn gefunden, den perfekten Strand, sagte er, nur mit dem Motorrad erreichbar, und man müsse die Klippen hinunterklettern.

Tags darauf, vor dem Losfahren, drehte ich noch eine Runde in dem kleinen Resort. Daffy Duck hatte sich die Pulsadern aufgeschlitzt, nachdem er dem Protagonisten in «The Beach» von dem geheimen Strand erzählt hatte; ich wollte nachsehen, ob der Waschbrettbauch noch da war, konnte ihn jedoch nirgends finden.

Einsame Strände gibt es an der Südküste endlos viele. «Warte hier», sage ich zu Phong und steige runter zu einer Sandbucht. Perfekte Stille. Das Meer ist türkisblau. Vor mir feiner Sand. Und PET-Flaschen, Styroporfetzen, Kunststoffbecher, Plastiklatschen, Chipstüten. Angespült von den Wellen. Im Wasser wabert ein Plastiksack, er sieht aus wie eine grosse Qualle.

Paradiese sollte man am besten aus der Distanz betrachten. Ich klettere zurück zu Phong. «Siehst du», sagt er, «da ist niemand.»

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