Randnotiz
Lieblingskünstler, Beste Freundin, Sportpartner – Treue rettet uns vor dem Wahnsinn

Sie ist der Kitt, der uns zusammenhält. Mit uns, mit anderen, mit der Welt.

Susanne Holz
Susanne Holz
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Treue ist, wenn man im Auto immer noch am liebsten Capital Bra mit «Berlin lebt 2» hört, auch wenn die Kinder das schon lange nicht mehr tun. Aber einer muss ja treu sein.

Bild: Luzerner Zeitung

Treue ist, wenn man jeden Film mit Jennifer Aniston schaut, auch wenn die Filme oft so na ja sind. Aber man mag Jennifer Aniston, immer schon, und sie ist – nicht zu vergessen – der gleiche Jahrgang wie man selbst. Und wenigstens die Jahrgänger sollten strikt zusammenhalten in dieser streitlustigen Welt.

Treue ist, wenn man sich mit der besten Freundin immer wieder zofft und garantiert auch immer wieder versöhnt, weil man nicht ohne den Menschen sein kann, der zuverlässig auf der gleichen Wellenlänge kämpft.

Treue ist, wenn sich der gleiche Sportpartner über Jahrzehnte hinweg immer wieder einfindet. Auch wenn viele andere verschwunden sind von der Bildfläche. Einer bleibt.

Treue ist, wenn man seine Kleider dort einkauft, wo die Verkäuferinnen besonders nett sind – auch wenn die Teile dann nicht immer und unbedingt ganz dem Stil entsprechen, der einem am besten gefällt.

Treue ist, wenn man auch mit 18 Jahren noch zum Kinderarzt geht – weil der einfach so kompetent und so lieb ist.

Treue ist, wenn man jahrelang Mietkosten stemmt, die man sich nicht wirklich leisten kann – aber der Blick aus dem Fenster ist nun mal so schön, und es stört auch niemanden, wenn man abends um elf noch «Für Elise» am Klavier übt, weil man vorher wirklich nicht dazukommt. Schliesslich ist man tagsüber damit beschäftigt, das Geld für die Miete und den Klavierunterricht zu verdienen.

Treue ist, seine Eltern gefühlt immer noch um sich zu haben, obwohl sie schon Jahre tot sind.

Treue ist, Kevin Spacey unverbrüchlich einen tollen Schauspieler zu finden, auch wenn er für manche ein No-Go sein mag. Sich selber treu zu bleiben, auch gegen den Strom, kann sehr beglückend sein.

Treue ist, russischen Künstlern die Stange zu halten, auch wenn Russland gerade ein No-Go ist. Die Künstler sind keine Krieger.

Treue ist ein Kitt, der uns zusammenhält. Uns mit uns selbst. Uns mit anderen. Uns mit der Welt. Treue kommt zum Einsatz, wenn sonst nichts mehr geht. Schafft Versöhnung, rettet vor dem Wahnsinn. Treue ist cool.