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Über Liebe, Masturbation und Betrug

WOZ-Redaktorin Susan Boos zu den dreisten Methoden von Internetbetrügern.
Susan Boos
Susan Boos.

Susan Boos.

Vor wenigen Tagen klingelte das Telefon. Ein Fremder war dran. Er sagte, er sei von Microsoft, sie hätten bei Wartungsarbeiten festgestellt, dass mein Computer gehackt worden sei. «Wirklich?!» «Ja», antwortet er ernst, «ich sage Ihnen jetzt, was Sie tun müssen, um Ihren Computer wieder sicher zu machen. Sitzen Sie am Computer?» Er gab genaue Anweisungen. Eifrig führt er durchs Microsoft-Programm. Es war lustig, weil ich an einem Mac sass. Aber auch befremdlich, weil so nah. Wäre der Kerl weniger tölpelhaft aufgetreten, hätte er mich vielleicht erwischt.

Spätestens wenn man merkt, dass die Betrüger nicht nur die private E-Mail-Adresse, sondern auch die Handynummer und andere intime Daten kennen, wird es unheimlich. In solchen Fällen hilft manchmal nur noch ein Cyberdetektiv. Er räumt für einen im Internet auf. Matthias Kindt-Hopffer ist einer von ihnen. Kürzlich erzählte er dem deutschen IT-Onlinemagazin «golem.de», was er so für Aufträge hat. Da ist zum Beispiel dieser Polizist, der in Zivil vor seiner Türe stand. Der Mann hatte vor laufender Webcam onaniert. Erpresser ­behaupteten, die Aufnahmen zu haben. Sie verlangten mehrere tausend Bitcoins, sonst würden sie die Filmchen seinem Umfeld zukommen lassen. Die Kryptowährung ist perfekt geeignet für solche Machenschaften, weil man nicht rausfinden kann, wer die digitale Kohle kassiert.

Der Polizist war verständlicherweise verzweifelt. «Für ihn wäre es das Karriereende, wenn seine Kollegen mitbekämen, dass ausgerechnet er auf so etwas reingefallen ist», resümiert der Cyberdetektiv: «Seltsam, dass er es nicht besser wusste.» Wahrlich seltsam. Denn seit Wochen wird vor dieser neuen Scamming-Masche gewarnt. Scamming steht für Vorschussbetrug. Man verspricht dem Opfer, es nicht zu schädigen, falls es zahlt. Oder aber – das ist der Dreh für weibliche Opfer – man gaukelt Liebe vor. Beim sogenannten Romance-Scamming werden zuerst viele liebevolle Mails ausgetauscht. Irgendwann berichtet dann der Mann von einem grossem Unglück, das ihm gerade widerfahren ist. Hilfsbereit bezahlt die Frau – für ein Flugticket, ein neues Auto, eine Operation, was immer grad dringend nötig erscheint. Manche zahlen Tausende von Franken, bis sie sich eingestehen, dass sie betrogen wurden.

Kindt-Hopffer wird förmlich überrannt von Leuten, die Hilfe brauchen. Der Cyber­detektiv sagt, seine Kundinnen und Kunden seien nicht etwa ungebildet, sondern Opfer von gekonntem Social Engineering, cleverer emotionaler Manipulation. Er berichtet von einer Schweizer Ärztin, die so zwei Millionen Franken verloren hat. «Sie hat sich so geschämt, als ich bewiesen habe, dass es sich um eine Gruppe Betrüger aus Westafrika handelte und nicht um einen einzelnen Mann, der in sie verliebt war.» Bei solchen romantischen Liebesbetrügern bekommt man sein Geld kaum mehr zurück. Bei den Onanier-bildern stehen die Chancen ein bisschen besser, heil aus der Sache rauszukommen, sofern man jemanden findet wie Kindt-Hopffer.

Stundenlang sucht er für seine Klienten alle einschlägigen Websites ab, auf denen die Bilder schon gelandet sein könnten. Es sind vor allem Pornoseiten, die die Bilder weiterverbreiten. Der Cyber-detektiv weiss, wie man die Seitenbetreiber dazu bringt, die Aufnahmen zu löschen. Nur ist es grauslich aufwendig. Und unschön ist es auch. Der Cyber-detektiv sagt, er habe schon tausend Masturbationsfotos seiner Kunden ansehen müssen, um ihre Probleme aus der Welt zu schaffen. Manchmal muss er zu verzwickteren Methoden greifen, damit die Bilder verschwinden. Details will er nicht erzählen. Dem Polizisten konnte er helfen. Das ist die gute Nachricht.

PS: Ein schüchterner Tipp: Liebe Männer, keine Frau will solche Bilder sehen; mindestens keine, die ich kenne. Ehrlich.

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