Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Unfassbar berührend

Einblicke
Anemi Wick, Journalistin, Hanoi
Anemie Wick

Anemie Wick

Das Nicht-Reiten von Elefanten ist als Touristenattraktion sehr populär geworden. Hier in Thailand, wohin ich mich gerade in die Nicht-Ferien gerettet habe, während Vietnam in der Hektik der Neujahrsferien nach Mondkalender versinkt, flattern einem die Elefanten-Prospekte nur so um die Ohren. «Kein Reiten! Keine Haken! Keine Ketten!», schreit es einem auf den Faltblättern ins Gesicht. «Wo Elefanten einfach Elefanten sein können!»

Und das machen nun all die nicht-reitenden Touristen bei den Elefanten, die entfesselt in diesen Elefanten-Altersheimen herumstehen, einen auf lange Nase machen und der Welt nichts vormachen müssen? Man kann sie ins Elefanten-Spa begleiten, dort mit ihnen ein Schlammbad nehmen und anschliessend gemeinsam duschen, mit den Elefanten, ausserdem rüsselumarmend Selfies und Gruppenfotos schiessen, und in einer Werkstatt aus Elefantenkacke Öko-Papier herstellen helfen.

Der Trend zum sanften Nicht-Reiten ist auch nach Vietnam rübergeschwappt, wo die Idee noch sehr neu ist und in ihrer Pilotphase derzeit als Nicht-mehr-Reiten bekannt gemacht wird. Aber immerhin wird schon deutlich, dass der Elefant, ohnehin schon einer der Popstars der Roten Liste in Südostasien, eine Lobby im dickhäutigen Rücken wissen darf.

Demgegenüber wirkt die Tigerumarmungs-Industrie noch eher etwas schnörzelig. Ja, auch für das Kuscheln mit bedrohten Grosskatzen inklusive Erinnerungsfoto gibt es in Thailand Prospekte. Der geneigte Tourist kann sich, ein bisschen wie bei den Bechergrössen bei Starbucks, entscheiden zwischen riesigem Tiger, grossem, mittlerem, kleinem und Baby-Tiger.

Tierschutz-Organisationen stehen der Sache allerdings kritisch gegenüber. «Wie ein verkorkster One-Night-Stand» sei die Erfahrung gewesen, sich für das Foto hinter einen pennenden Tiger zu quetschen, schreibt eine Bloggerin über ihren Abstecher in Thailands Kuschel-Tourismus.

In Sachen Knuddelfaktor mag die Königskobra vielleicht eher ein Aussenseiter sein, aber auch dafür gibt es hier Prospekte für Begegnungsstätten mit Körperkontakt.

«Was sind das nur für Touristen, denen es hier im schönen Thailand anscheinend ständig ums Anfassen geht?», denke ich kopfschüttelnd, und gehe um die Ecke zur Fussreflexzonenmassage.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.