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Versuchslabor Schule

Chefredaktor Jérôme Martinu zu den Strukturanpassungen an Luzerner Schulen.
Jérôme Martinu, Chefredaktor
Jérôme Martinu

Jérôme Martinu

«Aufgabe der Schule ist es, die Schüler fit für die Berufswelt zu machen; das ist mit diesem System nicht möglich.» Es rumpelt ordentlich im Umfeld der Stadtluzerner Sekundarschule. Mit einem Vorstoss soll das System korrigiert werden. Seit diesem Schuljahr praktiziert die Stadt ein kantonsweit einzigartiges Modell: Es ist eine Steigerungsform der sogenannten Integrierten Sek. Klassen werden gemeinsam geführt und nicht mehr nach Leistungsniveaus A, B und C getrennt. Einzig in Französisch und Englisch gibts getrennten Unterricht. Man kann sich lebhaft vorstellen, wie schwierig dieser niveaugemischte Unterricht gerade in der Pubertät sein kann. Der Stadtrat räumt zwar Probleme ein und will wegen des Zusatzaufwands für die Lehrer 800'000 Franken zusätzlich aufwerfen. Er will der Forderung nach Unterrichtstrennung auch in Mathematik und Deutsch indes nicht nachkommen. Der Schulversuch soll über die vollen drei Jahre laufen.

Nur zu gerne werden Entwicklungen in der Volksschule pauschal verteufelt.Digitalisierung der Berufswelt, Internationalisierung der Wirtschaft, Individualisierung der Gesellschaft – der Schulunterricht soll solchen Entwicklungen Rechnung tragen, er muss sich also auch entwickeln können. Aber stimmen Ausrichtung und Tempo der Reformen wirklich? Sind die politisch-behördlich verordneten Strukturanpassungen immer sinnvoll? Warum bürdet man den Lehrern immer mehr administrativen Aufwand auf? Wa­rum wird in den Klassen die soziale Durchmischung im Trend höher gewertet als die inhaltlich-leistungsorientierte Zuteilung? Die Schulen müs­sen unsere Kinder und Jugendlichen auf das Er­wachsenen- und Berufsleben vorbereiten. Nicht mehr und nicht weniger. Mehr Realitätssinn und weniger Versuchslabor, das scheint dringend nötig.

Jérôme Martinu, Chefredaktor

jerome.martinu@luzernerzeitung.ch

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