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Unkommod: Von Hans und Hänschen

Kolumnistin Blanca Imboden ist auch Seilbähnlerin bei der Stanserhornbahn. Dabei stellen ihr Touristen manche kuriose Frage.
Blanca Imboden
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Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Eine blöde Redensart. In der heutigen Zeit lernt Hans dauernd dazu, freiwillig oder unfreiwillig. Ich selber musste mich immer wieder neu erfinden: Ich war Sekretärin, Sängerin, bin heute Seilbähnlerin und Schriftstellerin. (Übrigens: Alles Berufe mit S. Vielleicht werde ich später noch Seiltänzerin oder Sumoringerin.) Viele Menschen haben heute solche Brüche in ihren Biografien und lernen ständig und gerne.

Bei der Stanserhornbahn lerne ich jeden Tag Neues. Wir Bähnler unterhalten uns ja liebend gerne mit unseren Gästen und versuchen ihre Fragen zu beantworten. «Bekommen Sie Geld für Ihre Arbeit?», wird häufig gefragt, natürlich nur bei sonnigem Wetter. Schön, dass wir den Eindruck vermitteln, so gerne zu arbeiten, dass wir es auch ohne Lohn tun würden. «Wie oft fahren Sie pro Tag rauf und runter?» Ich werde mich hüten, das zu zählen! Sehr viele Fragen betreffen Kühe.

«Stürzen Kühe auf diesem steilen Gelände nicht ab?»

Ja, das könne schon auch einmal passieren, erklärte mir ein Bauer, bei dem ich nachgefragt habe.

Die am häufigsten gestellte Frage: «Warum tragen diese Kühe Glocken?» Die Gäste aus fernen Ländern sind fasziniert vom Gebimmel. Ich erkläre dann, dass es heute wohl nur noch eine schöne Tradition sei. «Wie alt wird eine Kuh?» Ganz ehrlich: Haben Sie sich so etwas schon einmal gefragt? Ich sicher nicht. Google wusste Rat: Meist wird eine Kuh nach etwa 5 Jahren geschlachtet. Ansonsten könnte sie rund 20 Jahre leben. Die älteste Kuh der Welt wurde in Irland 48 Jahre alt.

Ab und zu benutze ich auch einen Telefonjoker, wenn Fragen zu schwierig sind. «Wie schwer ist das Tragseil der Cabriobahn?», wollte eine Männergruppe wissen. Jedes der vier Tragseile wiege 72 Tonnen, antwortete der Techniker. 72 Tonnen! Eindrücklich! So was muss man auch erst mal auf den Berg bringen!

Letzte Woche kam allerdings die Frage aller Fragen. Ich musste sie mehrmals wiederholen lassen, weil ich glaubte, sie in Englisch nicht richtig verstanden zu haben. Ein Amerikaner schaute ins Tal hinunter und fragte:

«Gab es da auch Ureinwohner, bevor die Schweizer kamen? Wurden diese vertrieben?»

Ich war sprachlos. Dachte er an Indianer? Seine Frau wies ihn zurecht: «He, wir sind hier in Europa!» Ich blieb ihm eine Antwort schuldig, war froh, dass die Fahrt zu Ende war.

Geschichte hat Hänschen nie interessiert. Jetzt befasst sich der Hans in mir mit Alemannen, Römern und keltischen Helvetiern sowie mit der Völkerwanderung und den Neandertalern.

Wenn Sie mich einmal auf dem Stanserhorn besuchen, denken Sie sich ruhig eine spannende Frage aus. Ich kann sie dann wahrscheinlich nicht beantworten, aber sie inspiriert mich bestimmt, und ich lerne wieder etwas dazu.

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