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Glosse

Warum uns 36 Grad nicht reichen sollten

Satirisches am Sonntag – der für den Autor ruhig noch heisser werden dürfte.
Lucien Rahm
Lucien Rahm.

Lucien Rahm.

Na? Schätzen Sie sie auch so, die derzeit herrschenden Temperaturen, welche die Messgeräte Werte von bisweilen weit über 30 Grad anzeigen lassen? Mögen Sie auch dieses Gefühl der Klebrigkeit auf der Haut, das andauernde Feuchtsein unter den Armen, das Wasserreservoir in der Mitte des Rückens, wo die Haut mit dem Stoff des Kleidungsstückes zu verschmelzen scheint? Ich bin bekennender Fan solcher Wetterverhältnisse. Genau so müssen sich Sommermonate anfühlen, um ihren Namen berechtigterweise tragen zu dürfen. Zu einem ordentlichen «Summer-Feeling» gehört der permanente wahrnehmbare Schweissgeruch seiner Mitmenschen genauso wie das Drücken frisch verschwitzter Hände bei deren Begrüssung.

Doch damit nicht genug: Das hochtemperierte Wetter birgt eine weitere erfreuliche Eigenschaft, die insbesondere jemandem wie mir, der seinen Alltag eher bewegungsarm zu gestalten pflegt, zugute kommt. Man schwitzt, ohne etwas dafür tun zu müssen. Einfach so, beim blossen Aufenthalt im Freien.

Gemäss gewisser Definitionen gilt ja bekanntlich: Wer schwitzt, treibt technisch gesehen irgendeine Art von Sport. In keiner anderen Jahreszeit lässt sich meine diesbezügliche Bilanz mit weniger Anstrengung dermassen aufwerten.

Gerne würde ich dieses angenehme Gefühl des Glühens daher auch künftig konsequent in unseren Breitengraden wahrnehmen dürfen – von mir aus gar noch intensiver als momentan. Und die Chancen stehen gut, dass sich mein Wunsch erfüllt – der Klimaerwärmung sei Dank. Ernstzunehmende Massnahmen gegen die aktuelle Entwicklung scheinen keine in Sicht, und das Propagieren umweltfreundlicher Fortbewegungsvarianten dürfte hoffentlich nur kurzfristig Wirkung zeigen.

Dennoch: Mir geht das Ganze noch nicht schnell genug. In der Schweiz könnte die Durchschnittstemperatur – trotz gewisser Klimaschutzbestrebungen – bis 2035 lediglich um 0,6 bis 1,6 Grad steigen, wie ein Szenario des Klimazentrums des Bundes vorsieht. Zu wenig für meinen Geschmack. Deshalb versuche auch ich, fleissig zu noch heisseren Sommern beizutragen. Fürs nächste halbe Jahr habe ich zwölf Längststreckenflüge gebucht – ohne das dabei verursachte CO2 zu kompensieren. Meine Einkäufe tätige ich in einer 63 Kilometer weit entfernten Detailhandelsfiliale, wohin mich mein 532 PS starker Geländewagen bringt. Ich hoffe, auch Sie tragen Ihren Teil bei.

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