Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Kolumne

Wie im wahren Leben

Einblicke
Anemi Wick, Journalistin, Hanoi
Anemie Wick

Anemie Wick

«Ich werde meine vietnamesische Facebook-Bekannte zum ersten Mal treffen», hat ein Nutzer aus China in einem Internet-Forum für Vietnam-­Interessierte geschrieben. «Was soll ich tun? Die Hand geben? Umarmen? Oder einfach ‹Hi› sagen?»

Das Zwischenmenschliche im Internet ist ja ein Kinderspiel, globalisiert über Landes- und Sprachgrenzen hinweg, man beherrscht hüben und drüben die gleichen Herzchen- und Küsschen-Stickers, tippt fliessend Emoji, versendet lustige GIFs und unterscheidet per Bildschirm-Wischer zwischen gut und böse.

Wir können im Schlaf liken und lieben und teilen und suchen und finden und adden. Was aber, wenn es tatsächlich mal aufs Ganze geht, man sich auf diesem kleinen Planeten Auge in Auge gegenübersteht zum Vollkontakt-Chatten – und all die digitalen Winke-Winke-Pandas eben gerade nicht zur Hand sind?

Der junge Mann aus China machte das einzig Logische, er fragte das Internet. Dort musste er zwar einiges an Millennials-Gelaber über sich ergehen lassen («Mach einfach ein Selfie mit ihr und aktualisiere deinen Facebook-Status»), aber, ernsthaft beantwortend, waren sich die Vietnamesen und Vietnam-Versteher im Forum ziemlich einig: «Sag’ einfach ‹Hi›, Mann.»

Und mit «Hi» ist man in Vietnam sicher gut beraten. Auf Englisch. Denn einfach «Hi» zu sagen geht auf Vietnamesisch nicht. Dazu müsste man erst einmal wissen, wie alt die Person, zu der man spricht, ist, um diese dann dem Altersunterschied entsprechend zum Beispiel als Tante, Onkel, jüngerer Bruder oder Grossmutter zu begrüssen. Das ist kompliziert.

Man betritt in diesem Land also mir nichts, dir nichts das Dickicht der kaum zu entwirrenden Höflichkeiten. Ausser man sitzt im Restaurant und möchte bedient werden, dann nämlich brüllt man in Vietnam einfach «Em oi!». Das bedeutet so viel wie «Hey, du!» Eigentlich kein Wunder, dass hier nicht einmal die Chinesen wirklich klar kommen ...

Aber zum Glück gibt es ja noch die Universal-Lösung für jede Lebenslage. Wer nach dem «Hi»-Sagen gar nicht mehr weiter weiss, greift am Ende halt eben doch zurück auf das Emoji. Das Ur-Smiley. Das es schon immer gab, lange bevor das Internet, Computer und Tastaturen mit Doppelpunkten und Klammern erfunden wurden: Man lächelt.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.