Wie schön ist Panama

Chefredaktor Harry Ziegler zu den anonym an die Zuger Bevölkerung verschickten E-Mails aus Panama.

Harry Ziegler,
Merken
Drucken
Teilen
Harry Ziegler

Harry Ziegler

Die USA haben Russland. Zug hat seit dieser Woche Panama. Was im Falle der USA wohl das Ausmass haben könnte, einen amtierenden Präsidenten zu Fall zu bringen, führt im Kanton Zug eher dazu, einfach nur den Kopf zu schütteln. Dabei ist es einerlei, wer für den E-Mail-Versand aus Panama und dessen Inhalt verantwortlich ist. Aufgrund der detaillierten Forderung im Zusammenhang mit zurückgestellten Beförderungen scheint es doch ziemlich klar, dass es sich entweder um eine direkt betroffene Person handelt oder um jemanden, der oder die sich die Mühe gemacht hat, tief ins Dickicht der regierungsrätlichen Sparpläne einzutauchen. Was man – ohne masochistische Veranlagung – kaum freiwillig tut.

Egal. Was auch immer die Beweggründe dafür waren, viel bedenklicher ist, dass die aus Panama verschickte Referendumsaufforderung anonym erfolgte. Ein Referendum ist ein demokratisches Recht. Ein solches zu ergreifen, steht jedem stimmberechtigten Bürger frei. Normalerweise aber werden Bürgerinnen und Bürger nicht von irgendwelchen gesichts- und namenlos agierenden E-Mail-Verfassern angestiftet, ein Referendum zu ergreifen. Normalerweise gibt’s zum Referendum einen Namen. Und die allfällige Ausrede, es handle sich beim Rädelsführer um einen kantonalen Angestellten, ist Rede für die kleinen Kinder. Es standen kürzlich sogar Polizisten in Uniform für ein Referendum in gleicher Sache Modell und liessen sich zitieren. Bisher ohne berufliche Nachteile. Der Verfasser dieses Mails soll sich zu erkennen geben. Sein Anliegen ist berechtigt. Ohne Namen ist das Mail aber nichts weiter als Spam und gehört so behandelt. In diesem Fall kann man es getrost mit Janosch sagen: «Oh, wie schön ist Panama», und die Delete-Taste drücken.

Harry Ziegler,

harry.ziegler@zugerzeitung.ch