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Kolumne

Wie stellen Sie sich Ihr Alter vor?

Wir werden immer älter - wie soll die Gesellschaft damit umgehen?
Martin A. Senn
Martin A. Senn.

Martin A. Senn.

In der Schweiz leben etwa 1600 Leute, die hundertjährig oder älter sind. Wenn hohes Alter ein Glück ist, dann haben sie das grosse Los gezogen. Denn als sie auf die Welt kamen, betrug die Wahrscheinlichkeit, so alt zu werden, für Buben ein halbes Prozent und für Mädchen zwei Prozent. Mittlerweile beträgt die Chance eines neugeborenen Mädchens, hundertjährig zu werden, 25 Prozent; für Buben sind es 20 Prozent. Jedes vierte Mädchen und jeder fünfte Bub wer­- den dereinst also in den Klub der Hundertjährigen eintreten. Reichte heute ein Dorf, um diesen aufzunehmen, wird er dereinst eine Stadt wie Zug, Chur oder Schaffhausen füllen.

Ziemlich hilflos wirkt bei diesen Aussichten der end­lose politische Streit, nach 20 Jahren endlich wieder eine Reform der Altersvorsorge auf die Reihe zu kriegen. Eine Reform, die gewiss wichtig ist, die aber keine Antwort geben wird auf die entscheidende Frage: Wie wollen wir uns als immer älter werdende Gesellschaft neu organisieren?

Ein Durchschnittsschweizer verbringt etwa zehn Prozent seiner Lebenszeit mit Erwerbsarbeit. Tendenz weiter sinkend. Die grosse sozialpolitische Idee des 20. Jahrhunderts, mit einer Versicherungsprämie auf dem Erwerbseinkommen einen sorglosen Ruhestand zu finanzieren, ist im 21. Jahrhundert allein mit technischen Retuschen nicht mehr zu halten. Wie wir mit dem Alter umgehen, ist massgeblich auch eine Frage der Einstellung. Solange Arbeitgeber Bewerber ab Mitte fünfzig immer noch mehr oder weniger offen aussortieren, nützt ein höheres Rentenalter wenig. Und der Systemwechsel zu einem fliessenden Übergang vom Erwerbsleben zum Ruhestand, wenigstens mal von 60 bis 70, bleibt eine Illusion. Nicht auszumalen, wie viel Wissen, Können und Erfahrung der Volkswirtschaft damit ungenutzt entgeht.

Für die Älteren dürfte also noch ziemlich lange nichts Grundlegendes ändern. Anstatt sich von den «aktiven Generationen» als Dauersanierungsfall des Rentensystems herumschubsen zu lassen, sollten sie deshalb wenigstens ihr Alter in die eigenen Hände nehmen. Immerhin geht es um bis zu einem Drittel des Lebens. Wieso soll man es damit verbringen, in einem Altersheim herumzusitzen und auf den nächsten Besuch der gestressten «Kinder» zu warten? Man hatte ja zuvor auch ein eigenes Leben, Freunde, Arbeitskollegen: Leute, mit denen man gerne diskutierte, tratschte und lachte. Haben Sie sich auch schon mal gefragt, ob Sie sich im Alter mit einigen nicht wieder zusammentun könnten?

Dafür sollte man sich aber frühzeitig nach Wohnpartnern fürs Alter umschauen und mit ihnen einen Plan erstellen: Wann verkaufen wir unser Haus oder die Wohnung? Wer bringt wie viel mit? Reicht es für eine oder zwei Pflegehilfen? Und vor allem: Wer kann was? Verwaltungskram, kochen, waschen und kleinere Reparaturen sollte man schliesslich selbst erledigen, sonst wird’s zu teuer. Hauptsache aber, man lebt mit Leuten zusammen, mit denen man gemeinsame Interessen und Erfahrungen teilt.

Das löst die grossen Fragen natürlich auch nicht. Aber wenigstens könnte das Alter so nicht nur ein grosses Glück werden, sondern sogar kurzweilig und lustig.

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