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Kolumne

Wo ist eigentlich die DNS geblieben?

Sasa Rasic, Leiter der «Zentralschweiz am Sonntag» über Genmaterial und Kulturkampf.
Sasa Rasic
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Es ist zwar schon zwei Wochen her, aber das Thema lässt mich nicht mehr los. Und deshalb nehme ich Sie notgedrungen hier in mentale Geiselhaft (es hat nichts mit Ihnen persönlich zu tun, sondern es geht ums grosse Ganze und wenn wir beide ruhig bleiben, gehen wir am Schluss auch beide normal wieder nach Hause). Damit sind wir bereits beim Thema: Kriminalität und Genmaterial. In unserer Zeitung berichteten wir, dass die Polizei mehr Kompetenzen für die Fahndung mit DNA-Spuren erhalten soll. Genau darum geht es. Also um den Teil mit der DNA, nicht die Kriminalität (schauen Sie nicht so enttäuscht drein, Wissenschaft kann imfall auch spannend sein!).

Beim Redigieren und Kommentieren des Themas liess mich das nebulöse Gefühl nicht los, dass ich etwas vergesse. Und erst später wurde mir klar, wie selbstverständlich wir heute das Akronym DNA verwenden. Hörten und lasen wir früher nicht praktisch immer von der DNS? Wie so oft scheint sich auch hier das Angelsächsische durchgesetzt zu haben. Aus der Desoxyribonukleinsäure wurde also still und heimlich die «desoxyribonucleic acid». Der Hintergrund dafür ist wohl, dass das Englische ähnlich wie in der globalen Wirtschaft auch in der Wissenschaft zur lingua franca geworden ist. Und die gleichen Begriffe zu verwenden, erleichtert halt schon einiges und legitimiert eben schnell mal das Opfern von etwas Sinn und lokalen Traditionen (ähnlich wie Synergien – Sie verstehen schon –, denken Sie sich einfach mein höchst unauffälliges Augenzwinkern).

Inkonsequent scheint dabei einfach nur die Verwendung im Mündlichen. Dies in der Annahme, dass Sie wie ich die Abkürzung mit deutscher Aussprache «DE-EN-AA» nennen und nicht auch mitten in der Umgangssprache das eigentlich korrekte, englische «DI-EN-ÄY» verwenden (falls Sie zu Letzteren gehören, zolle ich Ihnen Respekt für Ihre Standhaftigkeit und spreche Ihnen gleichzeitig mein Beileid für Ihr konstant schrumpfendes soziales Umfeld aus).

Statt sich nun angesichts der Übermacht des Englischen aufzuregen, hier noch eine Aufmunterung für den Weg: Auch die Angelsachsen haben umgekehrt zumindest einen Eindringling reingebremst bekommen: Obwohl Lyserg­säurediethylamid auf Englisch lysergic acid diethylamide heisst, lautet die Abkürzung dafür hüben wie drüben LSD. ­Zugegeben, deutlich unwich­tiger als die DNS, aber für ein herzhaftes Ätschibätsch im asymmetrischen Sprach-Kulturkampf reicht es allemal.

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