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Kolumne

Einblicke: Zääch bis z’oberscht

SRF-Moderatorin Sabine Dahinden über Glücksgefühle beim Wandern.
Sabine Dahinden

Ich habe meine Kollegen gewarnt: «Am Berg bin ich eine Schnecke!» Trotzdem wage ich mich auf die «Alpenreise». Wer mit dem Gitschen vor der Nase und den Eggbergen im Rücken aufgewachsen ist, kann den Bergen nicht widerstehen. Und auch im Schneckentempo kommt man irgendwann ans Ziel.

So schnaufe ich nun den steilen Aufstieg zur Blüem­lisalphütte hinauf. Die Alpenrosen habe ich hinter mir gelassen, Nebel schleicht herum, meine Bergkameraden ziehen an mir vorbei. Als Schnecke muss man es ertragen, dass die Schnellzüge vorüberpreschen und «Dü schaffsch es!» rufen. Sich nur nicht entmutigen lassen, immer an den nächsten Schritt denken. Das habe ich schon als Kind gelernt, als ich dem regelmässigen Tritt meines Bergfreundes Hermann Arnold hinterherstapfte. Und später, in unzähligen Wander-lagern, bei unserem Geologielehrer Max Rothenfluh. Nun widme ich den beiden in Gedanken meine Wandertour und marschiere den Schuhen unseres Walliser Bergführers Peter Kimmig nach. Schritt für Schritt für Schritt. Schnauf für Schnauf.

Vielleicht hätte ich die Glücksgefühle am Berg nie kennen gelernt, wäre ich nicht im Kanton Uri aufgewachsen. Eine Sportskanone war ich nie, trotzdem glaubten meine Bergfreunde an mich und nahmen mich mit hinauf in die Höhe: Rophaien, Urirotstock, Schächentaler Windgälle: «Chumm mit, äs git nyyt Scheeners!»

Am Berg fallen einem Lebensweisheiten ein. Die Jugend: Das Aufwärmen auf der ersten Stufe, der Weg durch Alpwiesen fällt leicht. Die Lebensmitte: Der Anstieg ist steil, der Weg durch Schnee und Felsen braucht Kraft, Gipfelgefühle sorgen für Glück. Das Alter: Der Rucksack ist gefüllt mit Bildern von starken Erlebnissen. Wer die richtigen Gipfel erklommen hat, kann zufrieden auslaufen.

Am Berg übersteht man mehr, als man es im voraus für möglich halten würde. Dafür braucht man den richtigen Bergführer, einen, dem man vertrauen kann, der Tempo und Grenzen kennt und der im rechten Moment das Seil anzieht, damit man nicht fällt.

So, die Hütte ist erreicht. «Sind iär de scho lang da?», frage ich die Kameraden und hoffe auf ein «Nänäi, au erscht grad cho!» Die Anstrengung ist vergessen. Zur Belohnung erhält die Schnecke noch ein Salatblatt – und die Nachricht eines Kollegen: «Du hast Wort gehalten – schön langsam, aber dann zääch bis z’oberscht durchgebissen.»

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