Der Konsument bestimmt über das Tierwohl

Coop hat mitgeteilt, das Tierwohl-Label «Naturafarm» mangels Absatz zu reduzieren. Auch Bauern sagen, dass sie mehr Fleisch aus tierfreundlicher Haltung produzieren, als der Konsument verlangt. 

Drucken
Teilen

«Wenn die Gesellschaft mehr Tierwohl will und auch bereit ist, dafür mehr zu zahlen, würde jeder Schweinehalter sofort so produzieren», sagt Adrian Schütz von Suisseporcs, dem Schweizerischen Schweinezucht- und Produzentenverband. Doch Coop hat diese Woche mitgeteilt, 2020 das Tierwohl-Label «Naturafarm» bei Mastkälbern und Schweinen einzustellen beziehungsweise zu reduzieren – mangels Absatz.

Der Konsument müsse sich bewusst sein, dass die Schweinehaltung in der Schweiz sehr viel besser sei als in jedem anderen Land.

«Wer im Ausland Schweinefleisch kauft, fördert billiges Fleisch aus Käfighaltung.»

Von den rund 65 Prozent Schweinefleisch, das nach besonders tierfreundlichen Bedingungen in der Schweiz produziert werde, könne nur etwa 30 Prozent zum Mehrpreis verkauft werden. «Wir produzieren deutlich mehr Fleisch aus tierfreundlicher Haltung als der Konsument verlangt», sagt Schütz etwas ernüchtert.

Nur rund 35 Prozent der Schweine in der Schweiz lebten nach dem Minimalstandard, der vom Gesetz vorgeschrieben sei. Das sei die Stallhaltung mit etwa einem Quadratmeter Platz pro Tier. Die Mehrheit der Tiere habe zusätzlich Zugang ins Freie und eingestreute Liegeflächen. Sämtliche Schweine in der Schweiz hätten Stroh und Raufutter als Beschäftigung zur Verfügung, und Vollspaltenböden sind nach der zehnjährigen Übergangsfrist in der Schweiz ab September verboten. Das finde man nirgends sonst auf der Welt. Die Kontrolle, ob die Vorschriften eingehalten werden, sei Sache der Kantone.

«Freilandhaltung braucht sehr viel Land auf durchlässigen Böden in niederschlagsarmen Regionen.»

Diese Bedingungen seien in der Schweiz eher nicht gegeben. Bei konsequenter Freilandhaltung wäre der Schweinefleischpreis für den Konsumenten drei- bis viermal höher, sagt Schütz. «Ich bin überzeugt, viele Schweinehalter würden das sofort mitmachen, wenn die Nachfrage des Konsumenten und die Zahlungsbereitschaft da ist.» (chs)