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KOPENHAGEN: Hauptstadt der Glücklichen

Warum man die dänische Hauptstadt ganz einfach liebt? Nun, sie macht glücklich. Familien, Velofahrer, Feinschmecker – und all die anderen Dänen.
Die bunten Giebelhäuser am Nyhavn, dem zentralen Hafen in Kopenhagen, setzen bunte optische Akzente. (Bild: Niels Anner)

Die bunten Giebelhäuser am Nyhavn, dem zentralen Hafen in Kopenhagen, setzen bunte optische Akzente. (Bild: Niels Anner)

Text und Bilder Niels Anner

Zugegeben, Velofahren ist auch an anderen Orten schön. Wer es aber in Kopenhagen tut, versteht, warum es glücklich macht. Zum Beispiel dort, wo man auf zwei Rädern übers Wasser schwebt. «Cykelslangen», Veloschlange, heisst die Brücke, die sich sanft zwischen Glas- und Stahlpalästen übers Meer windet. Sie erfüllt alle Ansprüche an gutes Design, steht für Verspieltheit am Wasser und für eine Metropole mit hoher Lebensqualität.

Wasser zieht sich wie ein Band durch die Stadt, verbindet durch die historischen Kanäle Alt und Neu. Da sind die bunten 300-jährigen Postkartenhäuser im Nyhavn und gegenüber, im Stadtteil Christianshavn, Packhäuser aus der Zeit, als Dänemark noch eine Weltmacht in der Schifffahrt war. Das Hafenareal wandelte sich von einer Industriebrache zum gefragten Wohn- und Geschäftsviertel. Hier liegen zwei beliebte Hafenbadis und die Promenade von Islands Brygge. Am Wasser liegen aber auch moderne Zeugen einer Architektur- und Design-Hochburg: der «Schwarze Diamant», der kantige, glänzende Anbau der Königlichen Bibliothek, und das neue Schauspielhaus mit seiner leichten Glasfassade. Nicht zuletzt findet man am Wasser auch einige der schönsten grünen Lungen der Stadt, bei den ehemaligen Befestigungsanlagen hinter der kleinen Meerjungfrau. Und natürlich den Strand – vom Stadtzentrum sind es 20 Minuten Velofahrt auf die Insel Amager.

Schnell, gratis und vergnüglich

Die 220 Meter lange Schlangenbrücke ist Verbindungsstück einer Route vom In-Viertel Vesterbro mit seinen vielen Bars und Klamottenläden Richtung Uni-Quartier und Strand. Zwei neue Velobrücken entstehen gerade – teure Konstrukte, doch in Kopenhagen geniesst das Velo Priorität. 45 Prozent aller Fahrten zur Arbeit werden in der topfebenen Stadt mit dem Velo zurückgelegt, weil es schnell, gratis und ein reines Frischluftvergnügen ist.

Mehrfach wurde Kopenhagen zur weltbesten Velostadt gekürt, vor Amsterdam und Utrecht. Dies auch dank Tricks, die das Leben auf zwei Rädern versüssen: die grüne Welle, die auf das Tempo der Velofahrer abgestimmte Ampelschaltung. Und die «Plauder-Streifen»: so breit, dass mehrere Velos nebeneinander Platz haben. Man fährt gemächlich und stilvoll – Velohose und Lycra sind fehl am Platz.

Noch glücklicher als die Schweizer

Das Velo steht auch für die ausgeglichene Work-Life-Balance der Dänen: In vielen der 50 000 Transportvelos in Kopenhagen werden morgens Kinder in die Krippe gefahren. Gleichstellung und arbeitende Frauen sind eine Selbstverständlichkeit; staatlich finanzierte Kinderbetreuung und flexible Arbeitszeiten machen Karriere und Kinder gleichzeitig möglich. Das ist ein entscheidender Glücksfaktor, wie Analysen zeigen. Und dann sind da die Kinderwagen, die vor Cafés und den vielen kleinen Läden stehen: Weil drinnen kein Platz ist, schläft das Baby draussen – ein Sinnbild für das Sicherheitsgefühl in der Stadt.

Wenn es um Glück geht, macht den Dänen so schnell niemand etwas vor. Seit Jahrzehnten zeigen internationale Untersuchungen, dass die Menschen hier sehr glücklich sind. In der umfassendsten Studie, dem World Happiness Report der UNO, ist Dänemark 2016 wieder auf dem ersten Platz – vor der Schweiz. Kopenhagen wurde 2015 zudem zur familienfreundlichsten skandinavischen Stadt gekürt. Die Dänen haben die besten Spielplätze weit und breit. Zum Beispiel im Faelledparken, wo es sechs grosszügige Tummelparadiese gibt. Zum Beispiel eines, das die bunten Türme der Kirchen und Schlösser Kopenhagens nachbildet, oder den Trampolinspielplatz, wo auch Eltern auf Gumminetzen herumhüpfen.

Design und Gastronomie

Wohlstand prägt Kopenhagen, das als Wirtschaftszentrum gut Gebildete anzieht. Nicht zuletzt dank ihnen blühen die Brückenquartiere Vesterbro, Nörre­bro und Österbro, die das Stadtzentrum in einem Halbkreis umfassen. Sie sind in zehn Minuten Velofahrt vom Zentrum erreichbar. Man setzt in diesen aufgefrischten Altbauwohnquartieren auf hochstehende Produkte. Hier findet man viele Designerläden und eine hochwertige Gastro-Szene. Es gibt bei weitem nicht nur «Noma», das in den letzten fünf Jahren viermal zum besten Restaurant der Welt gekürt wurde.

Originelles und Biologisches gibt es auch verhältnismässig günstig und als Take-away, wie «Cofoco» oder «Meyers Deli» beweisen. Oder die Torvehallerne, eine Markthalle-Gastronomie nach dem Prinzip «lokal und gut». Smörrebröd mit Hering an Apfelsauce, Dill und Zwiebeln – und das Roggenbrot zerschmilzt förmlich im Mund. Doch die Stadt is(s)t nicht nur edel. Das Vielkulturenquartier Nörrebro bietet Kebabs an jeder Ecke, schummrige Bars, simple Cafés. Man erreicht das Quartier – wie sonst – übers Wasser, über die Dronning-Louise-Brücke, der beste Treffpunkt für ein Bier, einen Schwatz, einen Flirt – zumindest im Sommer. Das junge Publikum sitzt einfach auf dem Trottoir in der Sonne.

Tummelplatz für Verliebte

Der zentrale Kongens Have, der Königsgarten, ist eine Mischung aus Schlosspark – bemützte Wachsoldaten inklusive – und Tummelplatz für Studierende, Verliebte und Büromenschen, die über Mittag picknicken. Für all dies steht auch der urdänische Begriff der Hygge, der sich mit «Gemütlichkeit» nur annähernd übersetzen lässt. Hygge beschreibt eine nette Zeit mit Familie, Freunden, Nachbarn oder Wildfremden, schwatzen, trinken, sozial sein. Es ist ein glücklicher Idealzustand, den die Dänen, das ist vielleicht ihr Geheimnis, rasch erreichen: Ihr Rezept besteht auch aus Leichtigkeit, Humor, einer Prise Selbstironie und einem Schuss Pragmatismus. Kopenhagen ist auch eine laute, nicht besonders sau­bere Stadt. Doch für ihre Bewohner darf es auch ein wenig unperfekt sein.

Dass ab und zu etwas aus dem Rahmen fällt und man über die Stränge schlägt, schadet nichts. An wenigen anderen Orten wäre die Freistadt Christiania denkbar, einst Heimat von Hippies, die im Militärgelände eine halbautonome Kommune aufbauten: heute ein Ort für alternative Kultur und geduldeten Cannabiskonsum. Oder der Assistens-Friedhof, der altehrwürdigste der Stadt: Schriftsteller Hans Christian Andersen, Philosoph Sören Kierkegaard, Physik-Nobelpreisträger Niels Bohr und andere Grössen fanden hier ihre letzte Ruhe. Doch zwischen den Gräbern tollen Kinder herum, man sonnt sich, picknickt. Und natürlich führt ein Veloweg mittendurch.

Kopenhagen mit allen Sinnen entdecken

Essen:Wenn ein Italiener, dann «Mother». Die Bio-Pizza kommt aus dem Holzofen. Die Atmosphäre ist angenehm hitzig, trotz den weissen Plättliwänden: Wir sind mitten im Kødbyen, dem ehemaligen Schlachthofareal hinter dem Hauptbahnhof. Empfehlenswert ist hier auch die Fiskebar, Austern probieren lohnt sich.

Das «Relæ» ist das wohl günstigste Michelin-Stern-Restaurant der Stadt (450 Kronen, 75 Franken, für einen Viergänger). Christian Puglisi, früher Koch im «Noma», kocht mit lokalen nordischen Zutaten.

Boote mieten:bei www.copenhagenboatrent.dk (Aussenbordmotor) oder www.goboat.dk (stille Elektroboote) oder www.kayakrepublic.dk. Empfehlenswert ist die Hafenrundfahrt in den Touristenbooten ab Nyhavn. Die Netto-Boote sind günstiger als die Konkurrenz.

Museen: Carlsberg macht nicht nur weltberühmtes Bier, sondern ist auch einer der wichtigsten Mäzene des Landes. Die Ny Carlsberg Glyptotek ist eine hochstehende Kunstsammlung. Nach dem Besuch lässt es sich im Café im Palmengarten tief durchatmen. www.glyptoteket.dk

Kinderfreundlich: Im kulturhistorischen Nationalmuseum ist alles zum Anfassen. Die Themen Runeninschriften, Wikinger, koloniale Seefahrt und 2. Weltkrieg sind attraktiv präsentiert.
www.natmus.dk

Hotels: Das «Bella Sky» ist mit über 800 Zimmern und 23 Stockwerken das grösste Hotel Skandinaviens. Mit viel Luxus, Wellness und Sky Bar.
www.bellaskycomwell.dk

Im Zentrum steht das «Admiral» am Hafen, ein schmuckes Packhaus aus dem 18. Jahrhundert.
www.admiralhotel.dk

Ausgehen: Am Bopa-Plads im Österbro-Quartier schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe. «Pixie» und «Bopa» liegen Seite an Seite, haben jede Menge Plätze an der Sonne oder für die kühlere Jahreszeit gemütliches Holzinterieur. Hier herrscht Quartieratmosphäre, inklusive Petanque-Bahn unter Bäumen und Kinderspielplatz – trotzdem kommen die Gäste aus der ganzen Stadt. Morgens trinken Teilzeitarbeitende Kaffee (im «Pixie» einen der günstigsten der Stadt). Wir essen im «Bopa» die leckeren Home-made-Burger und Moules marinières an Weisswein-Rahmsauce. Danach in beiden stimmungsvollen Bars Feelgood-Musik, Disco-Kugel und farbige Lämpchen. Hygge!
www.cafepixie.dk, www.cafebopa.dk

Velos: zu mieten in diversen Geschäften. www.visitcopenhagen.com/copenhagen/copenhagen-bike-rentals. Ausleihen für 25 Kronen/Stunde (Fr. 4.20), Velos in 20 Docking-Stationen, selber holen und wieder einparken. bycyklen.dk

Elegant windet sich die 200 Meter lange Schlangenbrücke über dem Wasser – zur Freude der Velofahrer und Fussgänger. (Bild: Niels Anner)

Elegant windet sich die 200 Meter lange Schlangenbrücke über dem Wasser – zur Freude der Velofahrer und Fussgänger. (Bild: Niels Anner)

Hier geniessen die Velofahrer Priorität: Familienausflug auf der Königin-Louise-Brücke. Im Sommer ist sie ein beliebter Treffpunkt. (Bild: Niels Anner)

Hier geniessen die Velofahrer Priorität: Familienausflug auf der Königin-Louise-Brücke. Im Sommer ist sie ein beliebter Treffpunkt. (Bild: Niels Anner)

Der Königsgarten ist eine Mischung aus Schlosspark und Tummelplatz für Verliebte und ganz normale Büromenschen. (Bild: Niels Anner)

Der Königsgarten ist eine Mischung aus Schlosspark und Tummelplatz für Verliebte und ganz normale Büromenschen. (Bild: Niels Anner)

Die «Kleine Meerjungfrau» ist ein Wahrzeichen Kopenhagens. (Bild: Francesco Bucchi)

Die «Kleine Meerjungfrau» ist ein Wahrzeichen Kopenhagens. (Bild: Francesco Bucchi)

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